Gelungene Schönheitsoperation: Das Strahlen des Grafeneckarts steckt an

Blick aus der Augustinerstraße: Der Grafeneckart und das letzte
Geheimnis um seine Fassade ist gelüftet. Bild: Georg Wagenbrenner

 

Bei der Feier zum Abschluss der Grafeneckart-Sanierung verbarg sich nur
noch ein letztes Detail hinter einer weißen Plane: die sattgrüne
Gerichtslinde mit Ausrichtung auf den Vierröhrenbrunnen. Der 55 Meter
hohe Rathausturm wurde bereits in den vergangenen zwei Wochen nach und
nach Gerüst und Verpackung los und erstrahlt nun hell mit
schilfsandstein-grünen Akzenten. Seit Tagen recken Würzburger und
Touristen in der Altstadt interessiert und fasziniert die Köpfe und die
Bewertungen dieser „Schönheitsoperation“ fasste Oberbürgermeister beim
Bürgerfest am Samstag begeistert zusammen „Ich bin sehr erstaunt. Ich
habe noch keine Kritik gehört.“ Auch Stadtbaurat Prof. Christian
Baumgart hofft, „dass wir es für alle richtig gemacht haben.“ Er
dankte den Denkmalschutzexperten, den zahlreichen ausführenden Firmen
und stellvertretend Jens Kulicke von der Fachabteilung Hochbau für eine
ambitionierte Projektleitung mit Gesamtkosten von rund 1,6 Millionen
Euro. 

Die Stadt Würzburg ließ es sich nicht nehmen den Abschluss der
Sa-nierungsarbeiten, die eines der ältesten Wahrzeichen Würzburgs für 21
Monate hinter einer von Stadtgrafiker Markus Westendorf gestalteten
Folie verschwinden ließ, gebührend zu feiern. Stadtrat und
Ratskeller-Wirt Kurt Schubert spendierte an diesem Freudentag 100 Liter
Freibier. Nach einer Sanierung im Inneren des Ratskellers vor wenigen
Jahren, präsentiert sich nun auch seine Außengastronomie wieder von
ihrer besten Seite. Aus diesem freudigen Anlass erklangen auch Fanfaren
aus der Türmerstube, des 1180 erstmals urkundlich erwähnten Schutzturms.
Das Blechbläser-Ensemble um Professor Hans-Martin Rux gehörte wieder zu
den ersten Besuchern im höchsten „Amtszimmer“ des Rathauses, das bis
vor Kurzem eine Stahlträgerkonstruktion zur Befestigung des
tonnenschweren Gerüstes beherbergte. Nun kann man bei Führungen hier
wieder einen sensationellen Ausblick über Würzburg genießen. Von unten
wiederum erkennt man fast vergessene Details, die seit der letzten
größeren Sanierung 1973 nach und nach hinter einem Grauschleier
verschwanden. 

Doch es galt nicht nur Farben historisch und ökologisch korrekt
aufzuhübschen. Große Putzteile waren vor der Sanierung
absturzgefährdet und auch beim Dach wurden bei näherer Untersuchung
größere Schäden festgestellt als ursprünglich eingeplant. Viele Details
und Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Baustelle am einzigen
romanischen Profanbau Würzburgs (und weit über Würzburg hinaus) kann man
in der Mai-Ausgabe des Rathaus-Magazins Eckart nachlesen
(www.wuerzburg.de/eckart). Am Tag des Bürgerfests lieferten zudem
Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle und weitere Gästeführer bei
Rundgängen viel Wissenswertes über den geschichtsträchtigen Bau, der
vor 700 Jahren (dieses Jubiläum feierte man im vergangenen Jahr) in den
Besitz der Stadt überging. 

Noch heute gilt der Rathausturm als das Symbol bürgerlicher Freiheit,
betonte Oberbürgermeister Schuchardt in seiner Festrede: „Der
Grafeneckart steht für selbstbe-wusste Bürger, die ihr Schicksal in die
eigenen Hände nehmen. Er erinnert uns aber auch daran, dass unsere
heutige kommunale Selbstverwaltung alles andere als selbstverständlich
ist. Sie ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen harten Ringens, das
große Opfer gekostet hat. Und so ist der Grafeneckart auch ein Mahnmal,
für unsere kommunale Demokratie aktiv zu werden, um sie lebendig zu
erhalten.“ Beide Festredner kamen auf den aktuellen Bürgerentscheid
zum Kardinal-Faulhaber-Platz zu sprechen und warben unter der Linde bei
der in großer Zahl versammelten Bür-gerschaft für eine hohe
Wahlbeteiligung. 

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