Mathias Brunsch: Abtswind statt Asien

(Foto Michael Kämmerer / TSV Abtswind):

Er schnürt wieder die Fußballschuhe: Mathias Brunsch nimmt in Abtswind einen neuen Anlauf.

 

Der Verteidiger hat seine Auszeit nach eineinhalb Jahren beendet

 

Er ist der sechste Zugang im Aufgebot des Fußball-Landesligisten TSV Abtswind und dennoch kein Neuling. Um spielen zu können, war kein Transfer vonnöten, sondern nur ein fester Entschluss. Mathias Brunsch hat sich entschieden, seine Pause vom Fußball zu beenden, und ist nach eineinhalb Jahren wieder eingestiegen. Seit Beginn der Vorbereitung Mitte Juni trainiert der Rückkehrer mit der Mannschaft. Anfang 2016 brauchte er eine Auszeit. Nach einer Weltreise hat den Verteidiger erneut der Ehrgeiz gepackt.

 

Die Rückkehr kam nicht minder überraschend wie einst der Abschied. Mathias Brunsch ist keiner, der seine Absichten lange ankündigt. Anfang des vergangenen Jahres, wenige Tage bevor die Landesliga-Mannschaft des TSV Abtswind aus der Winterpause kam, teilte der Abwehrspieler von heute auf morgen mit, dass er nicht an der Vorbereitung auf den zweiten Saisonabschnitt teilnehmen werde, dass er überhaupt nicht mehr spielen werde. Die Mitspieler und der Verein waren damals genauso erstaunt wie sechzehn Monate später, als der 27-Jährige aus dem fernen Südostasien von sich aus wieder den Kontakt suchte. Zwei Tage nach seiner Landung in Frankfurt saß Brunsch in Abtswind, um sich mit Manager Christoph Mix und Trainer Petr Skarabela zu treffen. Drei weitere Tage später trainierte er mit der Mannschaft. „Es hat wieder gekitzelt“, sagt Brunsch. „Ich habe gemerkt, dass mir etwas fehlt.“

 

Vor eineinhalb Jahren war es das genaue Gegenteil: Brunsch hatte keine Lust mehr. Er war des Alltags überdrüssig geworden und brauchte eine Auszeit, „einen Tapetenwechsel“, wie er sagt. Mit nicht viel mehr als einem vollgepackten Rucksack und seiner Freundin brach er auf zu seiner Reise um die Welt. Mittelamerika hieß das Ziel. Der Ausflug zu Traumstränden, Palmen und Meer erscheint wie ein Daumenkino durch einen Reisekatalog: Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Guatemala, Mexiko – nicht weniger als zehn Länder umfasste sein Abenteuer. Zu guter Letzt noch ein Abstecher in die USA und nach Kuba, dann war für Brunsch die westliche Halbkugel bereist. Eine Woche hielt er es in Deutschland aus, dann ergriff ihn erneut das Reisefieber: Auf nach Asien, nach Thailand und Bali. Insgesamt acht Monate blieb er unterwegs. „Ich habe in der Zeit eine Menge erlebt“, erzählt Brunsch. „Das sehen viele ihr ganzes Leben nicht.“

 

So lange ohne Fußball, so lange kein Training – da fällt der Wiedereinstieg schwer. Von seiner früheren Fitness ist der 27-Jährige momentan weit entfernt. Die Mitspieler überrunden ihn beim Laufen. Ihm fehlen Ausdauer und Spritzigkeit. In Testspielen reichte es bisher nur für kurze Einsatzzeiten. Fünfzehn Kilo Gepäck auf dem Rücken über den halben Globus zu schleppen, hat seine Muskeln aufgezehrt. „Ich habe ziemlich abgebaut und sechs Kilo verloren“, stellt Brunsch fest, doch der Ehrgeiz und die Motivation treiben ihn an, die alte Verfassung wiederzuerlangen. „Er benötigt mit Sicherheit vier Wochen, um sich an die Belastung zu gewöhnen“, sagt Trainer Petr Skarabela. „Nach zwei, drei Monaten wird man sehen, ob er körperlich und spielerisch aufgeholt hat.“ Brunsch will die Herausforderung mit viel Disziplin auf sich nehmen.

 

 

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