„Gott gibt uns, was wir brauchen“

Rund 800 Gläubige haben am Donnerstag, 13. Juli, mit Weihbischof Ulrich Boom einen Pontifikalgottesdienst zur Kiliani-Wallfahrt der Dekanate Bad Kissingen, Hammelburg, Haßberge, Schweinfurt -Nord und -Süd sowie der Stadtpfarrei Schweinfurt im Würzburger Kiliansdom gefeiert.

Bernadette Weimer (POW)

Pontifikalamt zur Wallfahrt der Dekanate Bad Kissingen, Hammelburg, Haßberge, Schweinfurt -Nord und -Süd sowie der Stadtpfarrei Schweinfurt im Kiliansdom mit rund 800 Menschen – Weihbischof Ulrich Boom: „Gott liebt uns, er verlässt uns nie“

Würzburg (POW) Die drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan haben ähnliche Fragen gestellt wie die Menschen zur Zeit der Reformation und anderen großen Reformbewegungen. Diesen Aspekt hat Weihbischof Ulrich Boom bei einem Pontifikalamt zur Kiliani-Wallfahrt der Dekanate Bad Kissingen, Hammelburg, Haßberge, Schweinfurt-Nord und -Süd sowie der Stadtpfarrei Schweinfurt hervorgehoben. Rund 800 Menschen waren am Donnerstag, 13. Juli, in den Kiliansdom gekommen, um der drei Frankenapostel zu gedenken. „So wie sie die Kraft in Christus geschöpft haben, wollen wir auch in Gott Kraft schöpfen und uns erinnern: Gott hört uns, wenn wir nicht weiter wissen und den Stürmen des Lebens ausgeliefert sind“, sagte der Weihbischof zu Beginn des Gottesdienstes. In den Klöstern Irlands habe es im sechsten und siebten Jahrhundert große Reformbewegungen gegeben: „Das ‚In-die-Fremde-gehen, um Gott zu suchen und zu finden‘“, sagte der Weihbischof. Das iro-schottische Mönchtum sei insbesondere ein Impuls für die Evangelisierung Europas gewesen.

„Wir gedenken in diesem Jahr besonders der Reformation, die sich zum 500. Mal jährt“, erinnerte Weihbischof Boom. Die Denkweise der Frankenapostel sei dieser Epoche ähnlich gewesen. Auch sie hätten sich gefragt: „Ist Gott nicht größer als unser gewohntes Denken und geleistetes Schaffen? Und wie finden die Menschen den barmherzigen, gnädigen Gott?“, sagte der Weihbischof.

Die Frankenapostel hätten den Glauben in ihren Herzen getragen und die Frohe Botschaft in die Diözese gebracht, sagte Weihbischof Boom in seiner Predigt. „Gott ruft uns und lädt uns ein, Gewohntes zu verlassen und sich ganz auf ihn einzulassen.“ Kilian, Kolonat und Totnan hätten geahnt, wer Jesus folgen will, „muss ein Bürger des Himmels und ein Fremder der Erde sein“, sagte Weihbischof Boom. Dieses Wissen habe sie aufbrechen lassen, stets auf der Suche nach Gott. Daran erinnere auch die Kiliani-Wallfahrtswoche.

Neben der Reformation habe es auch andere große Reformbewegungen im 16. Jahrhundert gegeben. Die Reformation sei für die Gestalt Europas und die Erneuerung der Kirchen von immenser Bedeutung. Doch nicht alles, was damals geschehen sei, könnten die Menschen heute nachvollziehen. Auch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, dessen 400. Todestag sich dieses Jahr jährt, sei deswegen umstritten. „Er war ein Kind dieser Zeit mit all den Schatten, die auf dem Land lagen“, sagte der Weihbischof. Bemerkenswert sei jedoch, dass er in einem Vorwort eines Gebetbuchs des Klerus folgendes Bibelzitat aufgeschrieben habe: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Nur auf dich sind unsere Augen gerichtet.“

Ähnlich wie den Menschen der Echterszeit fühlten die Menschen des 21. Jahrhunderts. „Geht es uns nicht manchmal genauso in unserem Land, in unserer Diözese, in unseren Gemeinden? Nicht, dass Gott uns nicht immer nahe ist. Aber wer ihn anruft, dem sagt Gott ganz ausdrücklich: Ich bin bei dir“, sagte Weihbischof Boom. Es gelte immer, Gott zu suchen, wie die Frankenapostel und die Reformatoren es getan hätten. „Wir sind und bleiben Kinder unserer Zeit, mit Grenzen und Schwächen. Wir sind Fremde auf der Erde. Wir können nicht alles. Aber wir sind Bürger des Himmels. Gott gibt uns, was wir brauchen“, betonte der Weihbischof. Die Christen sollten vertrauensvoll in die Zukunft gehen, als Botschafter der Hoffnung, weil Gott ihnen nahe sei und sie niemals verlasse.

Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich die Wallfahrer noch einzeln den Pilgersegen in der Kiliansgruft im Neumünster geben lassen. Danach war auf dem Kiliansplatz Zeit für Begegnung und Gespräch. Hans Hochrein aus Untereisenheim im Landkreis Würzburg war mit einer rund 30-köpfigen Pilgergruppe angereist. Die Menschen kamen unter anderem aus Opferbaum und Dipbach. „Wir waren nicht im Gottesdienst für die Dekanate Würzburgs und sind deswegen heute gekommen.“ Das Ehepaar Reinhard und Roswitha Weis aus Bad Brückenau im Dekanat Hammelburg war in einer Gruppe von rund 140 Menschen angereist. „Wir sind mit drei Bussen gefahren, alle kommen aus unserem Dekanat. Wir sind fast jedes Jahr bei der Kiliani-Wallfahrtswoche. Toll war, dass wir mit dem Weihbischof Gottesdienst feiern konnten“.

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