Ausstellungseröffnung: Die Kinder der „Operation Shamrock“

BU: v.li: Dr. Klaus Armstrong-Braun, Journalistin Monica Brandis, Agnes Thevis, Matthias Fleckenstein (Deutsch-Irische Gesellschaft Würzburg). Foto: Claudia Lother

Augenzeugen berichten von ihren Erfahrungen in Irland und Deutschland

 

„Guten Tag, ich bin Klaus“, stellt sich Dr. Klaus Armstrong-Braun in deutscher Sprache vor, dabei spricht er eigentlich nur englisch mit erkennbarem Manchester-Akzent. Er war eines von insgesamt 462 Kindern, geboren etwa zwischen 1935 und 1941, die Ende des Zweiten Weltkrieges von Nordhrein-Westfalen aus nach Irland geschickt wurden. Und er war eines von 50 dieser Kinder, die nicht mehr nach Deutschland zurückkehrten, sondern in Irland blieben. Eine Ausstellung zeigt die Porträts von 18 ausgewählten Personen der „Operation Shamrock“. Journalistin Monica Brandis hat sie interviewt und ihre Schicksale aufgearbeitet. Sie lässt sie in ihrer jeweiligen Muttersprache zurückblicken, Übersetzungen liegen zum Mitnehmen bereit. Oberbürgermeister Christian Schuchardt eröffnete die Ausstellung und würdigte die damalige Aufnahme der deutschen Kinder als „eine große humanitäre Leistung“ und die „Operation Shamrock“ als Meilenstein auf dem Weg zur Freundschaft zwischen Irland und Deutschland. „Würzburg, die irische Stadt auf dem Kontinent, ist für diese Ausstellung ein idealer Ort. Denn schon mit der Tätigkeit der irischen Frankenapostel vor gut 1300 Jahren begann ein fruchtbarer und intensiver kultureller Austausch, der 1999 in die Städtepartnerschaft Würzburgs mit Bray und der Grafschaft Wicklow mündete. Es ist ein schöner Zufall, dass die ehemalige Kaserne in Glencree im County Wicklow die erste Station der deutschen Kinder in Irland war.“

Wie kam es zur „Operation Shamrock“? Nach dem Zweiten Weltkrieg: Europa lag in Trümmern, die Menschen und ganz besonders die Kinder hungerten, waren krank, viele hatten beide oder einen Elternteil verloren. Es gab kaum Brennstoffe. Auf Initiative der irischen Kinderärztin Dr. Kathleen Murphy aus Dublin gründete sich eine Gruppe Gleichgesinnter, um Spenden zu sammeln und irische Familien zu finden, die deutsche Kinder aufnehmen und gesund pflegen würden. Erste Station in Irland für die Drei- bis etwa Zwölfjährigen war eine ehemalige Schule in Glencree in Würzburgs Partnerregion Wicklow.

Zunächst sollten die Kinder drei Monate in Irland bleiben, daraus wurden drei Jahre und in manchen Fällen sogar das ganze Leben. Die einen trafen es gut, fanden liebevolle Eltern, die anderen kamen zu Menschen, die keine Erfahrung mit Kindern hatten, wieder andere wurden als Dienstboten gebraucht oder geschlagen. Agnes Thevis landete bei einem Rechtsanwalt, dessen Familie darauf Wert legte, dass Ag-nes weiterhin Kontakt zu ihrer deutschen Familie hielt. Doch die Rückkehr nach Deutschland wurde sehr schwierig, gleichsam „unrealistisch“, wie sie sagt. Das sen-sible Waisenkind Klaus wurde von Familie zu Familie weitergereicht, bis er - nach durchaus auch liebevollen Stationen - in einem Kinderheim in Chester in der Nähe von Manchester landete. In der Region lebt er heute noch. Dennoch erkennt der heutige Ingenieur, der seinen deutschen Vater nie kennengelernt hatte und seine polnische Mutter bei einem Bombenangriff verloren hatte, die Güte der Iren hoch an und kann für eine Person ganz bestimmt sagen: „Daddy Armstrong verdanke ich mein Leben. Die Operation Shamrock hat mir die Möglichkeit gegeben, überhaupt ein Leben aufzubauen.“

Verändert hat die Operation Shamrock ganz sicherlich alle ihre Kinder, ihre Lebens-weisen, ihre Offenheit, ihre Einstellungen zum Leben. Manche fühlen sich heute, nach 70 Jahren, irisch durch und durch, andere tragen eine irische und eine deutsche Seele in sich, die nächsten sind und bleiben deutsch – einzig und allein vielleicht abhängig von ihren individuellen Erfahrungen in beiden Ländern. Und der Ingenieur und Politiker Klaus, der mit vier Jahren mit einem gesamten Waisenhaus nach Irland verschickt und von Familie zu Familie weitergereicht wurde? Wurzeln hat der in Polen geborene Klaus keine, weder in Deutschland noch in Irland: „Menschen sollten nie gezwungen werden, ihr Land zu verlassen oder in ein fremdes Land adoptiert werden. Man verliert seine Identität.“

In Würzburg ist die Deutsch-Irische Gesellschaft Würzburg verantwortlich für diese Ausstellung. Das Projekt wird unterstützt von der Deutschen Botschaft in Dublin, der Irischen Botschaft in Berlin und dem Glencree Centre for Peace and Reconciliation. Sie ist im Rathaus im Oberen Foyer zu sehen bis einschließlich Freitag, 25. August, zu den Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr und Freitag 8 bis 13.30 Uhr.

 

 

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