Der Arbeitsmarkt im Juli

Arbeitslosenquote der Region Main-Rhön erneut bei 3 Prozent 

Im Juli waren in der Region Main-Rhön 7.460 Menschen arbeitslos gemeldet, 39 Menschen mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote erreichte erstmals in einem Juli 3,0 Prozent und liegt 0,5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Damit messen wir in der Region Main-Rhön die niedrigste Arbeitslosenquote im Juli seit Einführung der aktuellen Berechnung vor zwanzig Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr liegt das Niveau der Arbeitslosigkeit somit deutlich niedriger: Hier wurden 8.495 Arbeitslose gezählt, dies waren 1.035 Menschen mehr und die Arbeitslosenquote lag bei 3,5 Prozent. Auffällig ist die Steigerung im Vergleich zum Vormonat in der Personengruppe unter 25 Jahren. Im Juli wurden 871 arbeitslose Personen gezählt, dies waren 262 Personen bzw. 43 Prozent mehr. Im Vergleich zum Vorjahr allerdings ging die Jungendarbeitslosigkeit um 94 Personen zurück, dies entspricht einem Rückgang von 9,7 Prozent. „Der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit im Juli ist wie in jedem Jahr zu einem erheblichen Teil auf die Beendigung der meisten betrieblichen Ausbildungsverhältnisse in diesem Monat zurückzuführen“, erläutert Thomas Stelzer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die aktuellen Zahlen. „Auch wenn der Bedarf an Fachkräften insgesamt groß ist“, so Stelzer weiter, „werden aus verschiedenen Gründen doch Auszubildende nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung nicht immer nahtlos in ein Arbeitsverhältnis übernommen oder beabsichtigen den Besuch einer weiterführenden Schule.“ Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit bei den Männern deutlicher gesunken als bei den Frauen. Es wurden 709 weniger arbeitslose männliche Personen (ein Minus von 15,4 Prozent) und 326 weniger weibliche Personen (ein Minus von 8,4 Prozent) gezählt. Die Bewegungszahlen auf dem Arbeitsmarkt in der Region waren relativ hoch. 2.497 Menschen konnten im Juli ihre Arbeitslosigkeit beenden. Im Gegenzug mussten sich 2.539 Arbeitnehmer, erstmals oder erneut, nach einer Beschäftigung arbeitslos melden. Dies entspricht einem Zuwachs um 43 Menschen im Vergleich zum Vormonat. 

 

Die Arbeitslosenzahlen nach Regionen: 

 

             Arbeitslose  Arbeitslosenquote         Veränderung zum Vormonat AA Schweinfurt  7.460   3,0 %      0,0 % Stadt Schweinfurt  1.738   6,4 %   + 0,1 % Lkr. Schweinfurt  1.640   2,5 %   + 0,1 % Lkr. Bad Kissingen  1.763   3,1 %      0,0 % Lkr. Rhön-Grabfeld  1.046   2,3 %    - 0,1 % Lkr. Haßberge   1.273   2,6 %      0,0 % 

 

Die Unterbeschäftigungsquote liegt unverändert bei 4,6 Prozent 

11.414 Menschen waren im Juli von Unterbeschäftigung betroffen. Die Unterbeschäftigungsquote betrug 4,6 Prozent. Im Vormonat waren es 19 Personen weniger. Im Vergleich zum Vorjahr waren es allerdings 462 Personen weniger. Die Unterbeschäftigung setzt sich aus der Zahl der Arbeitslosen und der Zahl derjenigen, die sich in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen befinden, zusammen. Obwohl die Zahl der Teilnehmer an Sprach- und Integrationskursen von 507 im Juli 2016 auf aktuell 1.118 gestiegen war, entwickelte sich auch die Unterbeschäftigung rückläufig. Dies lag sowohl am Rückgang der Arbeitslosenzahlen, als auch an einem geringen Rückgang der Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik.  

 

Kurzarbeit erneut rückläufig  

Die Zahl der Betriebe, welche für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet hatten, sank auf 12 Betriebe mit insgesamt 86 Arbeitnehmern. Gegenüber dem Juni wurden 6 Betriebe und 44 Personen weniger gemeldet. Vor einem Jahr waren die Zahlen deutlich höher. Im Juli 2016 waren noch 39 Betriebe mit 1.037 Beschäftigten betroffen. 

 

Der Anteil der arbeitslosen Menschen mit Fluchthintergrund nimmt leicht zu  

Im Juli wurden in der Region Main-Rhön 636 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund gezählt. Das waren 8,5 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen. Im Juni waren es 623 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund. Dies waren 13 Menschen weniger. Den weitaus größten Anteil bildeten dabei Menschen aus Syrien (402 Personen), gefolgt von afghanischen Staatsbürgern (88 Personen), irakischen Menschen (16 Personen), Menschen aus dem Iran (12 Personen) sowie Menschen aus Pakistan (5 Personen). 63 Prozent der geflüchteten Menschen sind männlich und knapp die Hälfte (47 Prozent) jünger als 35 Jahre. „Qualifizierung ist der Schlüssel zur Integration in Ausbildung und Arbeit“, erläutert Stelzer. „Wenn es uns gelingt, die fachlichen und sprachlichen Kompetenzen der Flüchtlinge zügig zu verbessern, können gerade Betriebe und Branchen, die heute schon unter dem Fachkräftemangel leiden, langfristig profitieren“, so Stelzer. 

 

 Zahl der offenen Stellen erreichte neuen Höchststand 

Die neueste Engpassanalyse der Agentur für Arbeit (Stand Juni 2017) liegt vor. Diese wird halbjährlich durchgeführt. Nach deren Einschätzung gibt es keinen flächendeckenden und branchenübergreifenden Fachkräftemangel in ganz Deutschland. Deutschlandweit gibt es jedoch erhebliche Engpässe in einzelnen technischen Berufsfeldern, Bauberufen sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen. Die Engpasssituation zeigt sich dabei für Fachkräfte und Spezialisten angespannter als für Akademiker. Im Vergleich zur letzten Analyse vom Dezember 2016 sind vor allem bei Aufsichtskräften in der Baubranche Engpässe deutlicher geworden. Für Bayern wurden in nachfolgend aufgelisteten Branchen zusätzliche Engpässe definiert: Metallbearbeitung, Metallbau und Schweißtechnik, Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Innen- und Ausbauberufe sowie Softwareentwicklung und Programmierung. „Die Fachkräftesicherung ist kein Thema der Zukunft, sondern heute eine aktuelle Herausforderung in vielen Unternehmen unserer Region“, so Stelzer. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass es auch für die Unternehmen in der Region immer schwieriger wird, ihren Bedarf an neuen Arbeitskräften zu decken. Im Juli nahmen die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter 1.130 neue Stellenangebote an. Das waren 72 Stellenzugänge oder 6 Prozent weniger als im Juni und 204 Stellenzugänge oder 22 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn wurden 7.218 Stellenzugänge verzeichnet, dies waren 927 Stellen (14,7 Prozent) mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Bestand an offenen Stellen erreichte mit 4.974 erneut ein Rekordniveau mit einer Steigerung von 30,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In 80 Prozent aller Fälle werden Fachkräfte gesucht. Großer Bedarf besteht im Agenturbezirk im Baugewerbe, im Hotel- und Gaststättenbereich, im Gesundheit- und Sozialwesen, im Bereich Verkehr- und Lagerei, im Kfz-Bereich und oftmals befristet im Produktionsbereich. Nahezu im gesamten Handwerksbereich suchen die Arbeitgeber der Region händeringend Fachkräfte, mittlerweile gibt es auch Engpässe im Helferbereich. 

 

 Endspurt auf dem Ausbildungsstellenmarkt  

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres waren noch knapp 643 junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle. Auf der anderen Seite waren noch knapp 1.376 Lehrstellen unbesetzt. Damit standen im Juli rein rechnerisch jedem jungen Menschen 2,1 offene Ausbildungsstellen zur Verfügung. Die Zahl der Jugendlichen, die im Juli noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle waren, lag um 21 Personen (3,4 Prozent) höher als im Vorjahr. Ebenso lag die Zahl der bis Juli unbesetzten Ausbildungsstellen um 259 Stellen (23,2 Prozent) höher als im letzten Jahr. Seit Oktober 2016 wandten sich 3.038 Jugendliche bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Schweinfurt. Dies war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 120 junge Menschen und entspricht einem Minus von 3,7 Prozent. Dies ist die Folge der demographischen Entwicklung und dem Rückgang der Schülerzahlen. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 3.925 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 245 oder 6,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist eine große Herausforderung für die Betriebe. Aber für Bewerber, die bislang noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, bieten sich weiterhin gute Chancen“, kommentiert Stelzer die aktuelle Lage. „Eine duale Ausbildung ist durchaus eine Alternative zu einem Studium. Wer heute einen Ausbildungsberuf lernt, dem stehen im Anschluss zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten offen, sogar eine Fortsetzung der Karriere an einer Hochschule ist denkbar.“, so Stelzer weiter. 

 

 

Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten voraussichtlich verhaltener sinken 

Die Stimmung in den deutschen Chefetagen ist laut dem Münchener Ifo Instituts „euphorisch“. Dessen Geschäftsklimaindex stieg im Juli von 115,2 auf 116,0 Punkte. Dies ist der dritte Rekordwert in Folge. Die Unternehmen seien seit der Wiedervereinigung noch nie zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage gewesen. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete dagegen, dass das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Juli zum zweiten Mal in Folge gefallen sei. Gegenüber dem Vormonat gab der Frühindikator des IAB um 0,2 auf 103,9 Punkte nach. Das IAB geht davon aus, dass die Beschäftigung stabil bleibt, aber die positive Entwicklung der Arbeitslosigkeit sich abschwächt. Laut IAB spiele dabei eine Rolle, dass viele Flüchtlinge in den kommenden Monaten aus den Integrationskursen auf den Arbeitsmarkt kommen werden. Selbst bei guter Arbeitsmarktlage wird es zunächst zusätzliche Arbeitslosmeldungen geben. „Auch wir erwarten eine eher günstige, aber verhaltene Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei uns in der Region“, resümiert Stelzer. 

Arbeitsmarktreport 

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