Phantasien von Bäumen und Wurzeln – Norbert Klodwig stellt im Landratsamt aus

Verrottete Wurzeln und Baumstämme sind totes, abgestorbenes Gehölz? Nicht, wenn Künstler Norbert Klodwig sich ihrer annimmt und ihnen neues Leben einhaucht. Was dabei herauskommt: Phantasien von Bäumen und Wurzeln – so jedenfalls der Titel seiner aktuellen Ausstellung im Lichthof des Landratsamts.   „Neben Malerei auch Bildhauerei im Landratsamt auszustellen, freut mich in diesem Falle besonders. Herr Klodwig entdeckt in altem Gehölz, das dem Betrachter oft unscheinbar und wertlos vorkommt, Formen und Geschichten und macht diese für uns alle sichtbar. Die Werke sind wirklich beeindruckend – vor allem der ‚Finger Gottes‘, den er wortwörtlich aus dem Schattendasein befreit hat“, findet Landrat Thomas Bold.  

 

Fund aus der Baugrube wird Kunst  Der „Finger Gottes“ hat einen besonders engen Bezug zum Landratsamt Bad Kissingen: Das Kunstwerk stammt nämlich ursprünglich aus der Baugrube des Neubaus in der Mühlgasse. Beim Ausheben des Lochs kamen neben Mauerresten einige Balken zum Vorschein. Als Klodwig einen Blick durch den Bauzaun warf und diese entdeckte, erinnerte ihn einer der Balken an einen langen Arm mit einer ausgesteckten Hand, die nach etwas greift oder auf etwas deutet.   Da der Baumstamm mit dem anderen Aushub entsorgt hätte werden müssen, überließ man ihm den Künstler, der ihn gründlich reinigte – mit dem Dampfstrahler in der Waschstraße. Zum Vorschein kam ein etwas verkohlter, wohl rund dreihundert Jahre alter Eichenbalken, der eine auffällige Maserung vorweist.   Klodwig sah in dem Gehölz „einen Fingerzeig Gottes“ und schuf ein aussagekräftiges Werk daraus. „Ich finde, das Objekt passt sehr gut in den Lichthof. Zudem ist in der heutigen Zeit der ‚Finger Gottes‘ etwas, das wir nötig haben. Die Welt steht an so vielen Schauplätzen derzeit Kopf. Genau aus diesem Grund sollten wir uns auf das besinnen, was das Leben lebenswert macht“, betont der Künstler.  Daneben stellt Klodwig noch weitere hölzerne Kunstwerke – teils aus Wurzeln und von der Zeit gezeichneten Stämmen gefertigt – aus. Eines der Objekte trägt den Namen „Lilith“ und erinnert an eine Göttin der sumerischen Mythologie. „Das Kunstwerk symbolisiert die mystische, dunkle Mondgöttin, die von Sehnsucht gefesselt ist und nicht ein noch aus kann“, erklärt Klodwig. 

 

 

Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. August und kann zu den Öffnungszeiten des Landratsamts besucht werden. 

Fotos: Künstler Norbert Klodwig und Landrat Thomas Bold (aufgenommen von: Lena Pfister)

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