Stützmauer an der Fichtestraße wird instand gesetzt

BU: v.li. Stadtbaurat Christian Baumgart, Tiefbauchef Jörg Roth, Bertram Mähler (Krämer Bausanierung), im Hintergrund wird gerade Spritzbeton aufgebracht. Foto: Claudia Lother

Arbeiten an der Hochdruck-Baustelle

 

Eines der beliebtesten Geräte in Haus, Hof und Garten ist der Hochdruckreiniger. Der Kompressor jagt den Wasserstrahl mit Hochdruck auf Terrasse, Bodenfliesen oder das Auto. Schmutz löst sich ohne Chemie, scheinbar wie von selbst. Wasserstrahlen in Verbindung mit Hochdruck sind kraftvoll: Während Hochdruckreiniger für den Hausgebrauch mit einem Druck von etwa 20 bar arbeiten, lösen Wasserstrahlen bei 1.000 bar Betonflächen von Mauern, ohne den Untergrund anzugreifen. Bei annähernd 6.000 bar schneiden sie sogar Stahl. Nur spezialisierte Fachfirmen leisten Arbeiten in Hochdruckverfahren.

So derzeit an der Baustelle in der Fichtestraße, an der 110 m langen Stützmauer des Stadtrings Süd. Die Firma Krämer Bausanierung arbeitet hier unter Planung und Bauüberwachung der städtischen Fachabteilung Tiefbau mit Hochdruck. Mit Wasserstrahlen wird die Betonoberfläche auf einer Fläche von 340 m² abgetragen, mit Hochdruck Spritzbeton wieder aufgebracht. Kompressoren jagen den Beton direkt auf die Mauer. Der Vorteil: Es wird keine Schalung benötigt und der Beton verdichtet von allein. Da ein Brückenbauwerk aber nur so stabil sein kann, wie die Pfeiler oder die Mauer, die es trägt, werden der Stützmauerkopf erneuert, die geschädigten Wandbereiche ersetzt, ein Oberflächenschutzsystem auf der gesamten sichtbaren Oberfläche und eine bituminöse Abdichtung aufgebracht, das Geländer wieder eingebaut bzw. erneuert und Bordsteine und Asphalt im Arbeitsbereich erneuert. Damit überhaupt an dieser Engstelle gearbeitet werden kann, mussten die Fahrbahnen auf einen Fahrstreifen reduziert und eine Einbahnstraßenregelung eingeführt werden.

Gebaut wurde die Mauer 1971/1972, um den Stadtring Süd abzustützen. Beton mit eingelassenem Stahl, teils mit Mauerblenden zur vertikalen Verstärkung des Tragwerks, fangen die B19 an dieser Stelle auf. „Damals gingen die Ingenieure davon aus, eine Mauer für die Ewigkeit zu bauen“, berichtet Stadtbaurat Professor Christian Baumgart. Verkehrsaufkommen, Auftausalz, das sich regelrecht in die Eisenträger gefressen hat, und ständige Beanspruchung sorgten jedoch für gravierende Schäden an den Betonbauteilen. Fertiggestellt sein soll die Instandsetzung der Stützmauer Ende Oktober 2017, die Kosten belaufen sich auf etwa 430.000 Euro.

 

Was kann Spritzbeton?

Erfunden hat den Spritzbeton der US-Amerikaner Carl Ethan Akeley Anfang des 19. Jahrhunderts. 1911 bekam er dafür das Patent. Gesucht hatte Naturforscher Akeley eine Methode, um plastische Modelle von großen Tieren herzustellen. Heute wird Spritzbeton auch als „Hochleistungsbeton“ bezeichnet. Neben seinem Einsatz im Bau, eignet sich das leicht formbare Material dazu, so gut wie alles zu bilden: Kletteranlagen, Figuren auf Kinderspielplätzen, fließend gebogene Sitzgelegenheiten, organisch anmutende „Landschaften“.

 

 

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