Der Arbeitsmarkt im August

Arbeitslosigkeit nimmt aus jahreszeitlichen Gründen zu 

Im August waren in der Region Main-Rhön 7.996 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote erreichte erstmals in einem August 3,3 Prozent und liegt 0,5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Damit messen wir in der Region Main-Rhön die niedrigste Arbeitslosenquote im August seit Einführung der aktuellen Berechnung vor zwanzig Jahren. Trotz des saisonal bedingten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen im Vergleich mit dem Vormonat ist die Situation am Arbeitsmarkt weiterhin positiv. Im Vorjahr lag das Niveau der Arbeitslosigkeit deutlich höher. Damals wurden 1.265 Menschen mehr Arbeitslose gezählt und die Arbeitslosenquote lag noch bei 3,8 Prozent. 

Im Juli waren 536 Menschen weniger arbeitslos gemeldet und die Quote lag bei 3,0 Prozent. Auffällig ist die Steigerung im Vergleich zum Vormonat in der Personengruppe unter 25 Jahren. Im August wurden 1.155 arbeitslose Jugendliche gezählt, dies sind 284 Personen bzw. 32,6 Prozent mehr als im Monat Juli. „Der saisonübliche Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Sommermonaten ist zu einem nicht unerheblichen Anteil auf die verstärkten Arbeitslosmeldungen von jungen Menschen nach der Ausbildung zurückzuführen“, erläutert Thomas Stelzer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die aktuellen Zahlen. „In den meisten Fällen dürften die jungen Fachkräfte gute Perspektiven haben, da der Arbeitsmarkt in der Region aufnahmefähig ist oder auch oft der Besuch einer weiterführenden Schule angestrebt wird“, so Stelzer weiter. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Jugendarbeitslosigkeit sogar um 239 Personen zurück, dies entspricht einem Rückgang von 17,1 Prozent. „Auf Grund des Fachkräftemangels versuchen offensichtlich immer mehr Betriebe ihre Ausbildungsabsolventen im Betrieb zu halten“, erläutert Stelzer. Die Bewegungszahlen auf dem Arbeitsmarkt in der Region waren relativ hoch. 2.557 Menschen konnten im August ihre Arbeitslosigkeit beenden. Im Juli waren es 60 und vor einem Jahr 148 Menschen weniger. Im Gegenzug mussten sich 3.111 Arbeitnehmer, erstmals oder erneut arbeitslos melden. Dies entspricht einem Zuwachs von 572 Menschen im Vergleich zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr waren es allerdings 87 Menschen weniger. 

 

Die Arbeitslosenzahlen nach Regionen: 

             Arbeitslose  Arbeitslosenquote         Veränderung zum Vormonat AA Schweinfurt  7.996   3,3 %   + 0,3 % Stadt Schweinfurt  1.824   6,7 %   + 0,3 % Lkr. Schweinfurt  1.687   2,6 %   + 0,1 % Lkr. Bad Kissingen  1.853   3,3 %   + 0,2 % Lkr. Rhön-Grabfeld  1.176   2,6 %   + 0,3 % Lkr. Haßberge   1.456   2,9 %   + 0,3 % 

 

 

 

 

Die Unterbeschäftigungsquote ist um 0,1 Prozentpunkte auf 4,7 Prozent gestiegen 

Die Unterbeschäftigung setzt sich aus der Zahl der Arbeitslosen und der Zahl derjenigen, die sich in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen befinden, zusammen. 11.618 Menschen waren im August von Unterbeschäftigung betroffen. Die Unterbeschäftigungsquote betrug 4,7 Prozent. Im Vormonat waren es 223 Personen weniger. Im August 2016 waren es allerdings 856 Personen mehr. Damals betrug die Unterbeschäftigungsquote 5,1 Prozent. Die Zahl der Teilnehmer an Sprach- und Integrationskursen war im Vergleich zum August 2016 um 409 auf aktuell 1.042 Teilnehmer gestiegen, dies entspricht einem Plus von 65 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat war die Zahl der Teilnehmer um 76 gesunken.  

 

Kurzarbeit auf dem niedrigsten Stand seit Jahren  

Die Zahl der Betriebe, welche für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet hatten, sank auf 8 Betriebe mit insgesamt 42 Arbeitnehmern. Gegenüber dem Juli wurden 4 Betriebe und 44 Personen weniger gemeldet. Die Kurzarbeit ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken. Vor einem Jahr waren die Zahlen deutlich höher. Im August 2016 waren noch 30 Betriebe mit 964 Beschäftigten betroffen.  

 

Der Anteil der arbeitslosen Menschen mit Fluchthintergrund nimmt leicht zu  

Im August wurden in der Region Main-Rhön 733 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund gezählt. Das waren 9,2 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen. Im Juli waren es 636 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund. Dies sind 79 Menschen weniger. Den weitaus größten Anteil bildeten dabei Menschen aus Syrien (460 Personen), gefolgt von afghanischen Staatsbürgern (109 Personen), irakischen Staatsangehörigen (22 Personen) sowie Menschen aus Pakistan (3 Personen). 64 Prozent der geflüchteten Menschen sind männlich und mehr als die Hälfte aller Geflüchteten (52 Prozent) sind jünger als 35 Jahre. „Auf Grund des geringen Durchschnittsalters der Flüchtlinge erhöht sich die Chance zur Integration in Arbeit, da dieser Personenkreis leichter durch Investitionen in Sprache, Bildung und Ausbildung an den Arbeitsmarkt herangeführt werden kann“, erläutert Stelzer

 

Neuer Höchststand bei der Anzahl der offenen Stellenangebote  

Die Nachfrage nach Arbeitskräften wächst auf hohem Niveau dynamisch weiter. Im August nahmen die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter 1.152 neue Stellenangebote an. Das waren 22 Stellenzugänge oder 1,9 Prozent mehr als im Juli und 164 Stellenzugänge oder 16,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn wurden 8.370 Stellenzugänge verzeichnet, dies waren 1.091 Stellen (15 Prozent) mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Bestand an offenen Stellen erreichte mit 5.150 zum wiederholten Male ein Rekordniveau mit einer Steigerung von 1.284 Stellenangeboten (33,2 Prozent) gegenüber dem Vorjahresmonat. Erhebliche Zuwächse gab es vor allem im verarbeitenden Gewerbe, welches im August 698 offene Stellen aufwies. Im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet das ein Plus von 109 (18,5 Prozent) 

 offenen Stellen. Auch im Bereich der Berufe des Gesundheits- und Sozialwesens stieg die Zahl der offenen Stellen auf 566 im August, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 90 (18,9 Prozent) offene Stellen. Die gleiche Tendenz zeigte sich im Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen mit 527 offenen Stellen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 188 (55,5 Prozent) offenen Stellen mehr gezählt. Ebenso deutlich sind die Zuwächse der offenen Stellen im Baugewerbe mit 450 offenen Stellen, mit einem Zuwachs von 96 (27,1 Prozent) offenen Stellen im Vergleich zum August 2016. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist ein wichtiger Frühindikator für die Stabilität am Arbeitsmarkt. Insofern können Arbeitnehmer mit Blick auf diese Zahlen in der Region Main-Rhön zuversichtlich sein“, stellt Stelzer fest. 

 

Ausbildungsstellenmarkt - es gibt noch Chancen für Jugendliche ohne Stelle 

Seit Oktober 2016 wandten sich 3.135 Jugendliche bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Schweinfurt. Dies war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 136 junge Menschen und entspricht einem Minus von 4,2 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 4.011 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 246 oder 6,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres suchten noch 337 junge Menschen nach einer Lehrstelle, dies waren 24 Jugendliche (6,6 Prozent) weniger als im Vorjahr. Auf der anderen Seite konnten 1.113 Lehrstellen noch nicht besetzt werden, dies entsprach 168 Stellen (17,8 Prozent) mehr als im Vorjahr. Damit standen im August jedem jungen Menschen rein rechnerisch 3,3 offene Ausbildungsstellen zur Verfügung. Im Vergleich hierzu kamen im letzten Jahr auf 100 Bewerber 262 offenen Stellen. 2015 waren es 243 offenen Stellen. „Aktuell ist der Ausbildungsmarkt noch in Bewegung. Bis September werden erfahrungsgemäß noch viele bislang unversorgte Bewerber eine Ausbildung oder eine Alternative finden“, so Stelzer.  

 

Kein wesentlicher Rückgang der Arbeitslosenzahlen mehr zu erwarten 

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete, dass das IABArbeitsmarktbarometer im August zum dritten Mal in Folge gefallen sei. Gegenüber dem Vormonat gab der Frühindikator des IAB um 0,2 auf 103,6 Punkte nach. Das IAB geht davon aus, dass vorerst kaum noch ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen sein wird. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass viele Flüchtlinge in den kommenden Monaten ihre Integrations- und Sprachkurse beenden und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Ab diesem Zeitpunkt werden diese als Arbeitslose gezählt. Aus diesem Grund wird die Arbeitslosigkeit zunächst nicht mehr wesentlich sinken. „Danach kann der Trend aber weitergehen, der Arbeitsmarkt läuft grundsätzlich sehr gut“, so ein Experte des IAB. „Auch für unsere Region gehe ich zunächst von einer geringfügigen Zunahme bzw. Stagnation bei der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen aus“, resümiert Stelzer. 

 

 

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