Stadtgrün gefällt – Baumschutzverordnung in Schweinfurt

Auf seiner Pressekonferenz am 20.09.2017 stellte der Bund Naturschutz seine Luftbildauswertung vor, bei der Luftbilder aus den Jahren 2011 und 2016 verglichen werden. Der Bestand an Grünflächen und Bäumen hat in den letzten Jahren sichtbar abgenommen, was an mehreren Beispielen deutlich gezeigt wird:

 

Hadergasse:

Hier wird besonders augenfällig, dass neben den Bäumen auch die öffentliche Parkfläche verschwunden ist. Die neu gepflanzten Bäume benötigen mindestens 20 – 30 Jahre, um wieder einen nennenswerten Grünbestand zu bilden. Aufgrund der massiven Bebauung sind jedoch spätere Konflikte z.B. wegen einer Beschattung bereits vorprogrammiert.

 

Fischerrain:

Gut zu erkennen ist die abgeräumte Fläche. Auf den aktuellsten Luftbildern (2017), die demnächst im Bayernatlas veröffentlicht werden, wird zu erkennen sein, dass die Fläche inzwischen fast vollständig zugebaut ist, und nur noch minimale Restflächen übrig bleiben.

 

Gaststätte Sonneneck:

Auch wer diesen wunderschönen Biergarten nicht kannte, die Bilder sprechen für sich.

 

Neben Heckenweg und Mainberger Straße, wo ebenfalls die Veränderungen aufgezeigt wurden, ließe sich die Liste mit vielen - vom BN nicht weiter dokumentierten Beispielen - verlängern (Gesundheitspark, Neubau auf dem

ehemaligen Gelände der „Schreinerei“ am Obertor, SWG Klingenbrunnstraße/ Fehrstraße etc.).

 

Darüber hinaus gebe es zahlreiche Einzelbäume, z.B. Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Friedrich-Stein-Straße, die sang- und klanglos verschwunden seien.

 

Als akut gefährdet wurden etliche Beispiele angeführt:

 

 

Kastanien Klingenbrunnstraße/Bachstraße:

Zwei der drei gefährdeten Bäume haben ein geschätztes Alter von mindestens 150 Jahren – damit zählen sie zu den Ältesten im Stadtgebiet. Sie gehörten zum Biergarten der Gaststätte Freischütz, in welcher der Bürgerverein „Klingenbrunn“ gegründet wurde. Diese Bäume gehören ebenso wie historische Gebäude zum Stadtbild und müssen deshalb erhalten werden. Dass dies funktionieren kann, beweist die Kastanie am Georg-Wichtermann-Platz. Obwohl von einigen damals tot gesagt, steht diese dank guter Pflege des Grundstückeigentümers heute noch.

 

Biergarten Höllental:

Bei einer angedachten Bebauung würde nicht nur der prächtige Baumbestand gefährdet, es ginge auch einer der ehemals beliebtesten Orte in Sachen Feste und Feiern verloren.

 

Die Liste des gefährdeten Baumbestandes könne ebenfalls weiter verlängert werden:

  • Bäume an der Deutschhöfer-Straße (ehemaliges TG-Gelände),

  • Gehölzflächen auf dem Gelände des ehemaligen Brauhauses,

  • Allee in der Alten Bahnhofstraße,

  • Baumbestand Askren Manor, etc.

 

Der BN fordert, den derzeit durch die Baumschutzverordnung geschützten - bzw. den ökologisch und stadtklimatisch wertvollen - Baumbestand zu erhalten. Eine Bebauung dürfe nur dann genehmigt werden, wenn dies gewährleistet ist.

Ggf. wäre die Planung entsprechend anzupassen. Während der Baumaßnahme seien die Bäume wirkungsvoll zu schützen.

 

Die dokumentierten Beispiele werden in einer Broschüre zusammengefasst, die allen Mitgliedern des Stadtrates sowie der Stadtverwaltung dieser Tage zugeht.

 

Wer sich ein vertiefendes Bild verschaffen will, dem empfehle der BUND Naturschutz die GIS-Seite des Landkreises Schweinfurt:

https://okgis.osrz-akdb.de/swf/index.html;jsessionid=8BC3CF03FEB72CA3205B75E3915B206C

- dort ist auch die Stadt beinhaltet. Erkennbar ist der Stand von 2011.

Den Stand von 2014, demnächst 2017 sieht man im Bayernatlas

https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?X=5547874.57&Y=4373641.50&zoom=14&bgLayer=luftbild_labels&topic=ba&lang=de&catalogNodes=11,122,12,1234,1232&layers=luftbild .

Ergänzend kann man auf Google-Earth (2014) Google Maps bzw. Falk.de (2016) zugreifen.

 

Aus den aufgeführten Beispielen – aber nicht zuletzt auch aus der aktuell im Bauausschuss behandelten Erweiterung des Norma-Marktes am Bergl - werde deutlich, wie notwendig eine Baumschutzverordnung sei, betonte der BUND Naturschutz. Es wäre nur dank einer qualitativ ausgewogenen Baumschutzverordnung möglich, zumindest Ersatzpflanzungen bzw. Ausgleichszahlungen für Pflanzungen an anderer Stelle festzusetzen.

 

 

Eine Baumschutzverordnung und deren Anwendung solle jedoch möglichst bürgernah sein, um akzeptiert zu werden. Einerseits müsse die Verordnung z.B. hinsichtlich sehr kleiner Grundstücke flexibler anwendbar sein, andererseits müssen die Bürger auch das Gefühl haben, dass diese bei großen Bauvorhaben genau so streng angewandt wird wie bei ihnen im Kleinen. Es könne nicht angehen, Projekte von privilegierten Investoren augenscheinlich ohne erkennbare Auflagen zu genehmigen, während die Besitzer eines Einfamilienhauses jedoch reglementiert sind. Zumindest dann nicht, wenn es darum geht, in einem offensichtlich berechtigten Fall, Einzelbäume zu entnehmen. Es könne auch nicht sein, dass sich derjenige, der im großen Stil alles zubaut und versiegelt, aus der Verantwortung stiehlt.

Vielmehr müsse gelten: Je größer der Eingriff in den Naturhaushalt umso geringer der Spielraum bei Ausnahmen von der Verordnung und umso umfangreichere Ersatzmaßnahmen sind zu leisten.

Zudem seien Ersatzpflanzungen vor Ort durchzuführen. Es nütze uns in Schweinfurt nichts für unser Stadtklima, wenn als Ausgleich stattdessen in Stadtlauringen Wälder gepflanzt werden.

 

In bestimmtem Maße sollen auch Hecken in einer Baumschutzverordnung Berücksichtigung finden. Gleiches gilt für Festsetzungen im Hinblick auf die heimischen Pflanzen.

 

Der Bund Naturschutz fordert die Stadtratsfraktionen auf, am Verhandlungstisch nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Er stünde zudem mit seiner Expertise sowie einer Reihe von Vorschlägen für einen Runden Tisch zur Verfügung. Ein Workshop mit den jeweiligen Stadtratsfraktionen wäre ebenfalls möglich.

Die Schweinfurter Bürger werden aufgerufen, das Bürgerbegehren mit ihrer Unterschrift noch zu unterstützen.

 

Die Entscheidungsträger unserer Stadt tragen die Verantwortung dafür, ob stadtklimatisch und stadtgeschichtlich bedeutsame Bäume geschützt werden können und auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben.

 

 

Zu fällen einen schönen Baum,

braucht´s eine halbe Stunde kaum,

zu wachsen, bis man ihn bewundert,

braucht´s, Mensch bedenk´ es, ein Jahrhundert

(Eugen Roth)

 

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