Immer weniger Bäckereien und Metzgereien in Bayern

Von Peggy Greb, USDA ARS -
Von Peggy Greb, USDA ARS -

Zahl der Betriebe binnen fünf Jahren um 14% geschrumpft/ MdL Petersen: Region Schweinfurt von Entwicklung betroffen


Der Weg zum Bäcker oder Metzger wird in Bayern immer länger.

 

Eine Anfrage der BayernSPD Landtagsfraktion beim Wirtschaftsministerium hat ergeben, dass seit 2011 insgesamt 424 Bäckereien und 601 Metzgereien im Freistaat geschlossen haben – davon 67 Bäckereien und 114 Metzgereien in Unterfranken, wie die SPD-Landtagsabgeordnete Kathi Petersen (Schweinfurt) mitteilt.

 

In knapp 160 bayerischen Kommunen gibt es mittlerweile weder einen Bäcker noch einen Metzger – von einem Supermarkt ganz zu schweigen. Petersen: „Häufig sind das jedoch die einzigen Nahversorger im ländlichen Raum. Diese Entwicklung ist bedrohlich“.

 

Betroffen ist auch die Region Schweinfurt: Gab es in der Stadt Schweinfurt 2011 insgesamt elf Bäckereibetriebe, so waren es 2016 nur noch acht (Filialen nicht eingerechnet). Die Metzgereibetriebe haben sich im selben Zeitraum nach Angaben der Staatsregierung von acht auf sechs reduziert. Der Landkreis Schweinfurt hatte im Jahr 2011 noch 33 Bäckereibetriebe, 2016 lediglich 29. In Grafenrheinfeld z.B. gibt es aktuell nur noch zwei Bäckereien sowie zwei Filialbetriebe. Die Anzahl der Metzgereibetriebe ist landkreisweit gleichzeitig von 51 auf 45 heruntergegangen. So hat Stadtlauringen z.B. nur noch zwei Metzger sowie einen Filialbetrieb.

Eine der Ursachen für das Verschwinden sei der fehlende Nachwuchs, so Petersen. Die von der SPD erfragten Zahlen umfassen die Auszubildenden im Bäcker-, Metzger- und Konditorhandwerk (gewerblicher Bereich) sowie die Azubis im Fachverkauf im Lebensmittelhandwerk (kaufmännischer Bereich).

Innerhalb dieser fünf Jahre ist die Zahl der Auszubildenden in Unterfranken von insgesamt 1.221 (gewerblich: 533, kaufmännisch: 688) auf nur noch 727 (gewerblich: 368, kaufmännisch: 359) gesunken. In der Stadt Schweinfurt haben sich die entsprechenden Zahlen von 48 (gewerblich: 14, kaufmännisch: 34) auf 35 (gewerblich: 14, kaufmännisch: 21) verringert. Im Landkreis Schweinfurt gab es 2011 noch 56 Lehrlinge (gewerblich: 28, kaufmännisch: 28). 2016 waren es lediglich 37 (gewerblich: 15, kaufmännisch: 22)

Petersen macht sich für Gegenmaßnahmen stark: „Finanz- und Heimatminister Markus Söder redet immer davon, dass ihm gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Freistaat wichtig seien. Mit dem persönlichen Überreichen von Förderbescheiden ist es aber nicht getan“. Es sei notwendig, kleine Handwerksbetriebe zu unterstützen und attraktive Angebote für mögliche Auszubildende zu schaffen – gerade im ländlichen Raum. Hierzu gehöre vor allem ein deutlich verbesserter ÖPNV. „Wie sollen Jugendliche denn zu ihrem Ausbildungsbetrieb kommen, wenn es keine Verbindungen gibt?“, so Petersen. Hilfreich wären auch mehr Schnupperpraktika, damit Schüler das Lebensmittelhandwerk kennenlernen können.

Entgegensteuern könne man auch mit Dorfläden. Diese müssten jedoch mehr Unterstützung bekommen, sonst könnten sie auf Dauer nicht durchhalten. „Die BayernSPD Landtagsfraktion hat u.a. per Antrag gefordert, dass es in jedem Regierungsbezirk eine Servicestelle geben soll, welche die Kommunen im Bereich der Nahversorgung und Dorfladen berät“, so Petersen. Weiterhin habe man sich dafür eingesetzt, dass die Aufrechterhaltung der Nahversorgung im Interesse aller Bürger eine kommunale Pflichtaufgabe werden sollte. „Die CSU-Landtagsfraktion hat dies leider abgelehnt“.

Bei der Frage, wie man das Lebensmittelhandwerk in den Ortskernen halten könnte, dürfe man auch die Flüchtlinge nicht vergessen. Petersen: „Viele Flüchtlinge wollen eine Ausbildung machen, viele Betriebe suchen nach Auszubildenden. Warum sollte man dies nicht ermöglichen, wenn beide Seiten davon profitieren“?

 

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