Recycling-Rekord in Franken

Schweinfurt (prs). - Ein in mancherlei Hinsicht rekordverdächtiges Bauprojekt startete kürzlich im Westen von Schweinfurt. Die ehemalige US-Siedlung Askren Manor, die sich heute im Besitz der Stadt befindet, wird bis 2019 weitgehend abgerissen und durch ein Neubaugebiet ersetzt. Auf dem 28 Hektar großen Areal befinden sich 34 dreigeschossige Wohnzeilen und 13 Doppelhäuser. Viel Arbeit wartet auf das in Frickenhausen ansässige Abbruchunternehmen Ruppert GmbH & Co. KG, das einen Teil der Abbrucharbeiten durchführt. Die Firma besteht seit über 50 Jahren und besitzt u. a. besondere Kompetenzen im Bereich Recycling und Entsorgung. Der Rückbau der leer stehenden Immobilien erfolgt dann auch nach modernen und umweltgerechten Standards, was eine Trennung der alten Baumaterialien beinhaltet. Damit nicht genug - die Bauabfälle sollen, sofern dies möglich ist, dem Gedanken des Kreislaufwirtschaftsgesetzes folgend, recycelt werden. Diese Vorgabe lässt sich beispielsweise bei ausgedienten PVC-Bauprodukten ohne Probleme erfüllen. Neben einer größeren Menge von PVC-Bodenbelägen fallen beim Abbruch der Siedlung rund 2.500 Kunststoff-Altfenster an. Sie werden werkstofflich recycelt und später wiederverwertet. Damit zählt der Rückbau von Askren Manor zu den bundesweit vier größten Altfenster-Recyclingprojekten der letzten 10 Jahre und stellt für den Freistaat Bayern eine Rekordmarke dar. 

Was passiert nun mit den vielen ausgebauten Bauelementen? Sie werden in Containern gesammelt und dann per Lkw in die Recyclinganlage der Dekura GmbH nach Höxter gebracht.

Sie ist einer der Recyclingpartner der Rewindo Fenster-Recycling-Service GmbH, Bonn. Die Organisation koordiniert bundesweit das Recycling alter PVC-Fenster, -Türen und -Rollladen. In Höxter werden die Altfenster zunächst geshreddert und weiter zerkleinert. Dann erfolgt in unterschiedlichen Verfahren die sortenreine Trennung in Metall, Gummi, Glasreste und Kunststoff. Letzterer wird erhitzt und durch einen Filter gepresst, um letzte Fremdpartikel zu separieren. Das dabei zurück gewonnene reine PVC-Granulat ist schließlich der Ausgangsstoff für neue Kunststofffenster mit Recyclingkern. „Das werkstoffliche Recycling trägt nicht nur zu geschlossenen Materialkreisläufen bei, sondern ist allgemein erheblich preiswerter als die Müllverbrennung“, so Rewindo-Geschäftsführer Michael Vetter.

 

Auch auf europäischer Ebene findet PVC-Altfensterrecycling bereits in mehreren Ländern statt. Dort werden die Aktivitäten unter dem Dach der European PVC Window Profile and related Buildings Association (EPPA ivzw) koordiniert. Die freiwillige Erfüllung bestimmter europaweiter Recyclingquoten ist ein wichtiges Ziel, der europäischen PVC-Branche, das im Nachhaltigkeitsprogramm der Gemeinschaftsinitiative „VinylPlus“ festgelegt ist. Auch andere PVC-Bauprodukte lassen sich aufgrund ihrer Materialeigenschaften gut recyceln und wiederverwerten. Darauf wies Thomas Hülsmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V. (AGPU), Bonn, hin. So gäbe es neben Rewindo weitere Recyclingorganisationen für PVC-Bodenbeläge, -Dachbahnen und -Rohre, die gemeinsam für ein verstärktes Recycling ihrer Bauprodukte eintreten.

 

Eine wichtige Rolle im Abbruchprojekt Askren Manor spielen auch PVC-Bodenbeläge, die in größerer Flächenzahl beim Rückbau anfallen. Die Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling (AgPR), Marl, betreibt in Troisdorf eine eigene Recyclinganlage. „Auf diese Weise tragen wir zu einem umweltfreundlichen  Stoffkreislauf für PVC-Bodenbeläge bei“, so Geschäftsführer Dr. Jochen Zimmermann. „Diese werden in der 1991 errichteten Anlage zu Feinmahlgut verarbeitet, das sich dann zum Beispiel bei der Produktion neuer PVC-Bauprodukte einsetzen lässt. Die AgPR unterhält darüber hinaus ein bundesweites Netz von Annahmestellen.“

 

Großprojekte wie das in Schweinfurt tragen in besonderer Weise zur Erhöhung der Recyclingmengen bei. „In den Anlagen der mit uns kooperierenden Recycling-Partnerbetriebe wurden im Jahr 2016 knapp 30.000 Tonnen PVC-Granulat aus Altfenstern gewonnen und wiederverwertet. Dies entspricht etwa 1,8 Millionen Fenstereinheiten“, berichtete Vetter anlässlich eines Pressetermins auf der Baustelle. Die Recycling-Fensterprofile, die anschließend von den Fenster-Profilherstellern extrudiert werden, erfreuen sich einer steigenden Nachfrage. „Solche Profile haben auch in ihrer zweiten Nutzungsphase die gleichen positiven, bauphysikalischen Eigenschaften wie neue Profile, was die RAL-Gütesicherung immer wieder zeigt. Der Prozess lässt sich theoretisch mindestens siebenmal wiederholen“, betonte Gerald Feigenbutz, Geschäftsführer EPPA ivzw. Auf diese Weise könne ein Kunststofffenster ohne weiteres mehrere hundert Jahre leben.

 

 

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