Wenn keine „Medizin“ mehr hilft

Rosskastanie am Hauptfriedhof musste gefällt werden

 

Wurzelschäden, trockene Sommer, tierische Schädlinge, Pilzbefall machen Bäume krank. Ist dieser schleichende Prozess trotz Pflegemaßnahmen nicht mehr aufzuhalten, geht, besonders von Großbäumen, erhebliche Gefahr aus. Bis Ende Februar müssen daher mehrere Stadtbäume mit einem Stammumfang von mehr als 60 cm gefällt und durch neue Bäume ersetzt werden. Einer davon ist eine ehemals stattliche, 90 bis 110 Jahre alte Rosskastanie am Hauptfriedhof. Bereits im Mai stellten die Baumkontrolleure des Gartenamtes, ein externer Baumgutachter als auch die Untere Naturschutzbehörde erhebliche Wurzelschäden fest. Mit einem Zugversuch, bei dem bis zu Windlast 12 simuliert wird, bewegte sich der Wurzelballen bereits bei 1,4 Tonnen Zugkraft. Damit lag der endgültige Beweis vor: Die Standsicherheit der Wurzel war nicht mehr gegeben. Die gutachterliche Empfehlung lautete: Die 22 Meter hohe Baumkrone umgehend kürzen und den Baum zum nächstmöglichen Zeitpunkt fällen.

 

Auf dem Gelände des Hauptfriedhofs wird dieses Schicksal noch 19 weitere der insgesamt 639 Großbäume ereilen, denn die Sicherheit der Grabbesucher muss gewährleistet sein. Auch hier im Friedhof gilt die Maxime des Gartenamts: Wo gefällt werden muss, wird ein Austausch 1 zu 1 versucht. Manchmal lässt sich dieses Ziel jedoch nicht verwirklichen. Nämlich dann, wenn bei Wiederbelegung von Gräbern bei Tieferlegungen Baumwurzeln verletzt werden. Aus diesen Gründen hat das Gartenamt einen Plan aufgestellt, nach dem die Ersatzpflanzungen in symmetrischer Anordnung vorgenommen werden und so nach und nach wegbegleitende Grünachsen am Hauptfriedhof entstehen. Nicht wundern sollten sich (nicht nur) Friedhofsbesucher über vermeintlich „verunstaltete Baumstümpfe“, die ohne Äste und Laubwerk stehen bleiben. Bei diesen handelt es sich um „Habitatsbäume“, in denen beispielsweise Fledermäuse, Spechte oder seltene Käfer leben, die unter Naturschutz stehen. Mit Hilfe eines Endoskops erkennt das Gartenamt die belebten Baumhöhlen und kürzt das Totholz lediglich bis zum Stamm, damit Lebensräume bestehen bleiben.

 

40.000 Bäume stehen auf Würzburger Stadtgebiet, davon werden in diesem Jahr 160 Großbäume gefällt, das sind 0,4 %. In den letzten Jahren waren es ebenfalls zwischen 160 und 180, gepflanzt wurden dafür jeweils bis 220, sowohl an alten als auch an neuen Standorten.

 

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