Jahresbilanz Ausbildungsmarkt 2016/2017

 

 

Die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt im Bereich der Agentur für Arbeit Schweinfurt liegt im Wesentlichen auf dem günstigen Niveau des Vorjahres.

Das heißt, die Dynamik der letzten zwei bis drei Jahre hat sich in diesem Jahr zugunsten der Bewerber fortgesetzt. Betrachtet man die Relation von ausbildungssuchenden Jugendlichen und gemeldeten Ausbildungsstellen stellt man fest, dass die Chancen für die Bewerber rein rechnerisch sogar noch günstiger waren als im Vorjahr. Die Zahl der von den Betrieben gemeldeten Ausbildungsstellen liegt über dem Stand des Vorjahres, die Zahl der Bewerber hat im Vergleich zu 2016 um 149 Bewerber abgenommen. Standen im Jahr 2016 jedem Bewerber rein rechnerisch 1,14 Stellen zur Verfügung, sind es im aktuellen Jahr 1,27 Stellen pro Bewerber. Trotz der positiven Entwicklung 2016 in der Agentur für Arbeit Schweinfurt ist 2017 ein leichter Rückgang der Bewerberzahlen zu beobachten. Die Prognosen zur demografischen Entwicklung sind allerdings eindeutig: Mit der zurückgehenden Zahl der Schulabgänger, besonders derjenigen, die in erster Linie für betriebliche Ausbildungen infrage kommen, verstärkt sich auch in unserer Region auf dem Ausbildungsstellenmarkt der „Wettbewerb um die besten Köpfe“. Dies betrifft insbesondere bestimmte Berufe im Handwerk, im Bereich Verkehr, Logistik und in der Pflege. Entwicklung der Zahlen von Bewerbern um Ausbildungsstellen Im Zeitraum 01. Oktober 2016 bis 30. September 2017 haben 3.184 Bewerber die Ausbildungsvermittlung der Agentur für Arbeit Schweinfurt bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle in Anspruch genommen. Das sind 149 oder 4,5 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Agentur für Arbeit Schweinfurt setzt einen Schwerpunkt in der intensiven Berufsorientierung durch die Berufsberatung bereits ab der Vorabgangsklasse. Neben der regulären Berufsorientierung durch die Beratungsfachkräfte der Agentur an allen Schulen fördert die Agentur für Arbeit Schweinfurt zusammen mit den örtlichen Schulämtern das sog. „Berufsorientierungsnetzwerk“ an den Mittelschulen mit insgesamt fast 270.000,- Euro. Durch den hohen Praktikumsanteil dieses Programms finden mittlerweile viele Mittelschüler teilweise direkt einen Ausbildungsplatz ohne die Agentur hierfür einschalten zu müssen.

 

Rückgang bei Bewerbern aus allen Schularten Wider Erwarten liegt die Ursache für den Rückgang der Bewerber nur zum geringen Teil im demografischen Wandel. Die Hauptursache für den Rückgang ist das veränderte Bildungsverhalten. Die Zahl der Jugendlichen, die zunächst eine weitere allgemeinbildende Alternative präferieren, nimmt zu. Berufsberater berichten von Realschul-Abschlussklassen, von denen fast die Hälfte der Schüler anschließend weiter auf die FOS geht. Auch die Wirtschaftsschulen als weiterführende Schulen nach der Mittelschule haben weiterhin großen Zulauf. Dabei sind gerade die Absolventen der Mittelund Realschulen die Hauptzielgruppe des dualen Ausbildungssystems und der Arbeitgeber, die teilweise heute schon händeringend nach Auszubildenden suchen. Die Bewerberzahlen aus den FOS und Gymnasien stagnieren seit Jahren mehr oder weniger auf relativ niedrigem Niveau, da das Gros der Absolventen dieser Schulen weiterhin Richtung Studium tendiert. Die Zahl der Bewerber, bei denen kein Schulabschluss zugeordnet werden konnte, ist äußerst gering. Diese bilden somit bereits quantitativ kein Potential für den Ausbildungsmarkt. Darüber hinaus sind sie in der Regel vor dem Versuch einer Berufsausbildung zunächst noch auf eine intensive Berufsvorbereitung angewiesen. Nach wie vor bemüht sich die Agentur für Arbeit Schweinfurt intensiv um die Bewerber, die die Schule bereits im Vorjahr oder in früheren Jahren verlassen haben. Die Zahl der sogenannten Altbewerber hat sich um 17 auf 710 Jugendliche leicht erhöht. Dies liegt auch daran, dass die günstige Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt Jugendliche, die bereits in den Vorjahren die Schule verlassen haben und zunächst keine Ausbildung anstrebten oder gescheitert waren, veranlasst hat, erneut als Bewerber aufzutreten. Andere Jugendliche hatten nach ihrem Schulabschluss zunächst eine berufsvorbereitende Maßnahme, ein freiwilliges soziales Jahr, den Wehr- oder Zivildienst oder ein Angebot der Berufsschule (BVJ) besucht und dadurch ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verbessert. Insgesamt hatte dennoch nur etwa jeder fünfte Bewerber für eine Ausbildungsstelle bereits im Vorjahr oder früher die Schule verlassen. Agentur für Arbeit Schweinfurt - Pressestelle Kornacherstr. 6, 97421 Schweinfurt 3 Telefon: 09721 547319 schweinfurt.pressemarketing@arbeitsagentur.de Verbleib der Bewerber: 69 % der Bewerber münden in eine Berufsausbildung ein Beim eigentlichen Ziel der Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung, der Hilfe beim Einmünden in eine Berufsausbildung, blieb die Agentur für Arbeit in etwa auf dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Bewerber, die zum 30.09.17 tatsächlich keine Alternative zur eigentlich angestrebten Berufsausbildung gefunden haben, ist seit Jahren nahezu schon verschwindend gering. Gleichzeitig sinkt auch der Bedarf an Maßnahmen der Agentur für Arbeit (insbesondere berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und außerbetriebliche Berufsausbildungen) ebenfalls seit Jahren, was wiederum ein Indiz dafür ist, dass der Markt mittlerweile auch schwächeren Bewerbern eine Chance gibt. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit hat auch weiterhin das Ziel, die wenigen noch unversorgten Bewerber in ein Ausbildungsverhältnis, eine EQ-Stelle (Einstiegsqualifizierung) oder in eine Maßnahme zu vermitteln. Entwicklung der gemeldeten Ausbildungsstellen Auf der Arbeitgeberseite ist zu verzeichnen, dass von Oktober 2016 bis September 2017 der Agentur Schweinfurt insgesamt 4.042 Ausbildungsstellen gemeldet wurden. Dies bedeutet einen Anstieg von 235 Stellen im Vergleich zum Vorjahr. Deutliche Ungleichgewichte in den Bereichen Bau, Verkehr/Logistik und Kaufmännische Dienstleistung/Handel Das ausgewogene Verhältnis von Bewerbern zu Ausbildungsstellen darf nicht zu der Vermutung verleiten, dass jeder Jugendliche in seinem Wunschberuf letzten Endes einmünden kann. Auch wenn in diesem Jahr erneut der Bereich Produktion/Fertigung über weniger Bewerber als Stellen klagen könnte, ist dennoch weiterhin festzustellen, dass viele junge Menschen nach wie vor eine Ausbildung im Bereich Naturwissenschaften, Informatik oder Büro anstreben, obwohl hier die Chancen auf einen Ausbildungsplatz ungleich schlechter sind als z.B. im Baugewerbe.

Die Folge hiervon ist, dass Ausbildungsstellen, die für viele Jugendliche weniger attraktiv erscheinen, besonders schwer zu besetzen waren. So blieben Ausbildungsstellen zum Fleischer, Bäcker, Verkauf von Lebensmitteln sowie Maler und Lackierer überproportional vakant (z.B. Maler und Lackierer 41 gemeldete Bewerber zu 115 gemeldete Ausbildungsstellen, 31 Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden oder etwa auch der Hochbau. Hier waren 29 gemeldete Bewerber zu 135 gemeldete Ausbildungsstellen, 46 Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden). Weitere Gründe, warum eine Stelle nicht besetzt werden konnte, waren sehr hohe Anforderungen des Arbeitgebers, späte Stellenmeldung oder schlechte Erreichbarkeit der Ausbildungsstelle. Hauptgrund ist allerdings auch in diesem Bereich die hohe Zahl der Jugendlichen, die sich gegen eine betriebliche Ausbildung und für den weiterführenden Schulbesuch entscheiden. Insgesamt konnten im Agenturbezirk von allen gemeldeten Stellen 568 und damit 108 mehr als im Vorjahr nicht besetzt werden

 

Fazit:

Das Vierte Jahr in Folge mehr Ausbildungsstellen als Bewerber Die Situation am Ausbildungsmarkt der Region hat sich im Jahr 2017 aus Sicht der Jugendlichen zum Käufermarkt entwickelt. Insbesondere wegen der gestiegenen Zahl der Ausbildungsstellen waren die Chancen, besonders für Bewerber aus dem aktuellen Schulentlassjahr, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu erhalten, so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Der bundesweite Trend rückläufiger Bewerberzahlen wird sich in den nächsten Jahren, wenn überhaupt, nur langsam abschwächen und zu einer immer größeren Herausforderung für die Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung werden. Die Prognosen zur demografischen Entwicklung sind eindeutig: Mit der zurückgehenden Zahl der Schulabgänger ist es bereits heute auch auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu einem „Wettbewerb um die besten Köpfe“ gekommen. Betriebe sollten deshalb die aktuell noch relativ hohe Zahl der Schulabgänger nutzen und sich als attraktive potenzielle Arbeitgeber präsentieren. Für die Bewerber wird im Gegensatz zu früher nicht mehr das zahlenmäßige Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage das Hauptproblem sein. In Zukunft muss die Flexibilität der Jugendlichen hinsichtlich ihrer Berufswünsche stärker in den Fokus aller am Berufswahlprozess beteiligten Akteure gerückt werden.

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