KKG öffnet für einen Tag

Bild aus dem Archiv
Bild aus dem Archiv
Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft zum Artikel "KKG öffnet für einen Tag"
Das Informationszentrum des AKW Grafenrheinfeld wird vom Betreiber Preussen-Elektra also für vier Stunden geöffnet, damit die interessierte Bevölkerung sich zum geplanten Rückbau und Abriss des AKW informieren kann.  Damit könnte Transparenz, Aufklärung, Offenheit gemeint sein  …. oder Show und Ablenkungsmanöver? 

Die Ankündigung, dass eine Nebelkammer „natürliche Strahlung“ sichtbar macht, dass die BesucherInnen „ …eine Restfliese oder einen Granitstein…“ mitbringen können, und Mitarbeiter dann die Radioaktivität der Gegenstände messen werden, lässt Letzteres befürchten! 
Es ist bereits bei mehreren Informationsveranstaltungen aufgefallen, dass Vertreter von Preussen-Elektra - aber auch vom Bayerischen Umweltministerium - geradezu leidenschaftlich über Hintergrundstrahlung, Strahlenbelastung bei Flugreisen oder durch die Verwendung bestimmter Baumaterialien referiert haben. Die Aussagen sind nicht falsch, sie sind bekannt - doch was hat das bitte mit dem Thema „AKW Grafenrheinfeld" zu tun? Ist es der - untaugliche und unseriöse - Versuch, von diesem Thema abzulenken?
Während die Hintergrundstrahlung unvermeidbar ist, basiert die radioaktive Strahlung, die vom hochradioaktiven Atommüll und mittel- und schwachkontaminierten AKW-Inventar- und Gebäudeteilen ausgeht, auf dem Betrieb einer hochgefährlichen und volkswirtschaftlich unsinnigen Industrieanlage. Diese Strahlenbelastung ist „hausgemacht“ und vom Betreiber gegenüber der Bevölkerung zu verantworten!
Die Forderung an Preussen-Elektra lautet, bei Rückbau und Abriss des AKW alle Massnahmen zu ergreifen, um die Strahlenbelastung der Bevölkerung zu minimieren. 

Falls es dem AKW - Werksleiter Kaiser ernst ist mit seiner Ankündigung, das Thema Rückbau offen zu behandeln, sollte er Spielchen wie „Restfliesen- und Granitsteinmessung“ lassen. Wie sollen denn die vielbeschworene Beteiligung der Öffentlichkeit , Transparenz und Akzeptanz bei den AKW - Rückbauten, bei der Zwischen- und Endlagerung von Atommüll - Standortsuche!! - funktionieren, wenn der Betreiber die Bevölkerung auf dem Niveau „Erlebnistag im Kindergarten“ behandelt?
Preussen-Elektra sollte endlich den Pfad der Verharmlosung verlassen: die Argumentationsschiene „Hintergrundstrahlung ist ungefährlich - wenn Strahlenbelastung sich im Dosisbereich der Hintergrundstrahlung bewegt, ist sie unbedenklich - das 10 Mikrosievert-Konzept für die Freigabe von AKW-Abbruchmaterialen birgt keine Gefahr für die Menschen“ ist nicht korrekt!

- bereits die Hintergrundstrahlung kann zu gesundheitlichen Schädigungen führen
- jede radioaktive Strahlung kann zu Krebserkrankungen, Stoffwechselstörungen und Herz- Kreislauf-Erkrankungen führen
- es gibt keine nachweisbare Schwelle, unterhalb derer Strahlung ungefährlich ist
- jede zusätzliche radioaktive Strahlung führt zu einer Erhöhung des Krankheitsrisikos

Die Ärzteorganisation IPPNW hat im „Ulmer Papier“ schon 2014 durch die Auswertung mehrerer aktueller Studien auf diese Sachverhalte hingewiesen. Im Mai 2017 haben sich die Delegierten des Deutschen Ärztetages gegen die Verharmlosung möglicher Strahlenschäden ausgesprochen und vor der zusätzlichen Strahlenbelastung der Bevölkerung durch den Abrissmüll gewarnt - und damit vor der geplanten „Freimessung“ des Mülls der beim Abriss von AKWs anfällt, bzw. dessen Verbringung auf Deponien.
 Der BUND hat in seinem „Eckpunktepapier zur Freigabe" Vorschläge für Alternativen - anstelle der undeklarierten Freigabe von radioaktiven Stoffen - gemacht:
 „Die Stoffe, für die eine Freigabe nach Strahlenschutzverordnung vorgesehen war, sind gesondert und gegen Freisetzungen gesichert aufzubewahren. Sie können in be-
 sonders gesicherte Deponien oder in ein oberflächennahes Endlager verbracht werden. Auch möglich ist die Lagerung im entkernten Reaktorgebäude oder verbunkert 
 auf dem ehemaligen Reaktorgelände. Diese vier Optionen sollten gleichwertig verfolgt und geprüft werden.“

Einen offenen und ehrlichen Dialog mit der Bevölkerung über diese Punkte zu führen - das ist der Auftrag an den AKW-Betreiber. Dem muss er sich stellen - eine unerlässliche Grundvoraussetzung dafür ist es allerdings, die Bevölkerung und ihre berechtigten Belange ernst zu nehmen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0