Weihnachts- und Neujahrsgruß des Regierungspräsidenten

Weihnachts- und Neujahrsgruß des Regierungspräsidenten

Auf Heimat besinnen – Heimat gemeinsam fördern!


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

blickt man auf das Jahr 2017 zurück, so ist es vor allem das Thema der Globalisierung, das uns in den verschiedensten Facetten immer wieder – vom Klimawandel bis zur Bedrohung durch den internationalen Terrorismus – vor Augen geführt worden ist und viele Menschen verunsichert hat.

Umso wichtiger ist es, unser engeres Lebensumfeld – dort, wo wir unmittelbar mitgestalten können – so zu bewahren, zu schützen, zu pflegen, aber auch weiter zu entwickeln, dass sich die Menschen „zu Hause“ fühlen können und eine gute Zukunft für sich und ihre Familie sehen. Unsere Städte, Gemeinden und Märkte leisten dazu als Lebens- und Kommunikationszentren einen wichtigen Beitrag. Die Städtebauförderung und die Dorfentwicklung unterstützen die vielen positiven kommunalen Initiativen. Einige Beispiele präsentierten sich jüngst beim Bezirksentscheid des 26. Bundeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“. Großbarddorf aus Rhön-Grabfeld und Hellmitzheim, ein Ortsteil der Stadt Iphofen, konnten sich bei diesem Wettbewerb mit einer Goldmedaille an erster Stelle durchsetzen. Allen Gewinnern und Teilnehmern meine Gratulation. Den kommunal Verantwortlichen meinen Dank für ihr unermüdliches Engagement!

Gerade auch junge Familien erkennen zunehmend die Vorzüge, in einer kleineren Gemeinde in einer guten Nachbarschaft und in einer intakten Umwelt sicher und weniger stressgeplagt als in einer Metropole zu leben. Und angesichts unserer zentralen Lage in Deutschland und Europa und einer zunehmend leistungsfähigen Infrastruktur ist es in allen Teilen Unterfrankens heute möglich, gut zu leben und zugleich erfolgreich seiner Arbeit nachzugehen oder sich eine neue berufliche Existenz aufzubauen.

Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr
Unterfranken steht  auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor hervorragend da. Die Arbeitslosenzahlen lagen auch im Jahr 2017 auf einem erfreulich niedrigen Niveau (zuletzt Ende November 2,7%; in Bayern prozentual größter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr). Ein Wert, der sich im bundesweiten und nach wie vor auch im bayerischen Vergleich sehen lassen kann. Die Stimmung in der unterfränkischen Wirtschaft für die Zukunft ist gut; die Auftragslage im Handwerk, vor allem dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe sogar überwiegend exzellent. So zeigten sich Mitte 2017 insgesamt 91,6 % der Handwerksunternehmen mit der Geschäftslage zufrieden - ein Spitzenwert.

Unterfranken hält zusammen! Die gemeinsame Arbeit der Politik, der Kommunen und Verbände, namentlich in den regionalen Marketinginitiativen trägt Früchte, sei es beim gemeinsamen Engagement zum sechsstreifigen Ausbau der A7 zwischen dem Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und dem Autobahnkreuz Biebelried oder aber auch beim Einsatz zur Ansiedlung wichtiger Forschungs- und Innovationseinrichtungen. Die Aufwertung Würzburgs als Regiopole im Rahmen der Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms wird sich positiv auf die gesamte Region auswirken. Das Festhalten Würzburgs und Schweinfurts an den Zielen einer gemeinsamen regionalen Entwicklungspartnerschaft ist dabei zu begrüßen. Auch die gemeinsame Hochschule für angewandte Wissenschaften bildet hierbei einen verbindenden Rahmen. So kann Schweinfurt aktuell durch den Neubau einer Fakultät „Wirtschaftsingenieurwesen“ auf dem sogenannten i-Campus im südöstlichen Bereich der ehemaligen Ledward Barracks, in unmittelbarer Nähe zum Stammgelände der Hochschule, profitieren. Das Universitätsklinikum Würzburg hat jüngst den Bau einer neuen Klinik für Strahlentherapie in Höhe von 59 Millionen € genehmigt bekommen. Damit wird die interdisziplinäre Krebstherapie erheblich verbessert und Forschung mit Patientenversorgung eng gebündelt werden können. Darüber hinaus wird mit einer Finanzierungsperspektive von rund einer ¾ Milliarde Euro ein für Würzburg und ganz Unterfranken zentrales Zukunftsprojekt von anderer Dimension aktuell. In Abstimmung mit der Stadt Würzburg wird derzeit die Neuansiedlung des Kopfklinikums und des Zentrums Frauen-Mutter-Kind (ZFMK) nördlich des derzeitigen Klinikbereichs untersucht.

Produktions- und Verfahrenstechnik, die Automobilzulieferindustrie sowie die Automatisierungstechnik sind nach wie vor die wirtschaftlichen Schwergewichte in der Region. Erfreulich ist, dass die Medizintechnik am Bayerischen Untermain sich verstetigt und zunehmend auch zum Ruf als „Gesundheits- und Medizinstandort“ beiträgt, was einem überdurchschnittlichen Branchenwachstum geschuldet ist. Mittlerweile sind 13% der Beschäftigten am Untermain in der Gesundheitsbranche beschäftigt. Punkten kann der Untermain auch mit der Nähe zur Hochschule Aschaffenburg, die es vor diesem Hintergrund weiter zu stärken gilt. Ende Oktober hat dazu der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags rund 47 Millionen Euro für einen Neubau für den Technischen Dienst und das Rechenzentrum sowie für einen Neubau für den interdisziplinären Bachelorstudiengang „Wirtschaftsingenieurwesen und Materialtechnologie“ mit einem landesweit einmaligen Profil auf dem Gebiet Wertstoffkreisläufe und Ressourcenmanagement gebilligt.

Mit der deutlichen Erweiterung der Zentralen Gebührenabrechnungsstelle für Asylbewerber und Aussiedler in Mellrichstadt auf über 100 Arbeitsplätze konnte die Regierung von Unterfranken selbst einen unmittelbaren Beitrag zur Stärkung des nördlichen Unterfranken leisten.

Forschung und Entwicklung
In Forschung und Lehre ist Unterfranken mit den Universitäts- und Hochschulstandorten Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt bestens aufgestellt. Hierauf dürfen wir uns aber in Anbetracht der geplanten neuen Technischen Universität Nürnberg nicht ausruhen. Die Würzburger Universität selbst genießt international einen guten Ruf. Insgesamt 14 Nobelpreisträger hat die Würzburger Universität beheimatet und in jüngster Zeit bereits 4 Leibniz-Preisträger hervorgebracht. Die Stärken der Universität liegen dabei nicht nur in der Medizin und bei den Life Sciences, wo Würzburg mit der Gründung eines neuen künftigen Helmholtz-Instituts für Ribonukleinsäuren (RNA)- basierte Infektionsforschung seinen internationalen Spitzenplatz weiter ausbauen konnte.

Zukunftsinvestitionen erfolgen aber nicht nur in den großen Städten Unterfrankens. Mit dem Spatenstich für den Fraunhofer-Neubau in Alzenau, ein Projekt im Umfang von rund 30 Millionen Euro, erhält die Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS am Standort Alzenau eine deutliche Stärkung. In Bad Neustadt a. d. Saale in der Rhön wird das Siemens-Motorenwerk zu einer Vorzeigefabrik für digitale Anwendungen in der Metallverarbeitung entwickelt und gefördert.

Landwirtschaft und Umwelt
Der Klimawandel wird auch in Unterfranken zunehmend spürbar. Der „Tornado“ in Kürnach Mitte März, die Starkregenereignisse am Untermain Anfang Mai (betroffen waren hier vornehmlich der Markt Mömbris, die Gemeinde Krombach und die Stadt Alzenau), aber auch die Häufigkeit und Heftigkeit der vielen lokalen Gewitter, sprechen für sich. Daneben hat Unterfranken, betrachtet man die Verteilung der jährlichen Regenmengen, zunehmend mit Trockenheit zu kämpfen. Dies war in diesem Jahr vornehmlich bis zur Jahresmitte auch medial ein zentrales Thema. Hierauf gilt es sich seitens der Landwirtschaft, der Winzer wie auch der Wasserversorger einzustellen. Die Regierung von Unterfranken leistet dazu mit ihrer Wasserversorgungsbilanz Unterfranken einen wichtigen Beitrag, um die Sicherheit der öffentlichen Trinkwasserversorgung auch unter den Auswirkungen des Klimawandels weiterhin auf hohem Niveau zu halten. Mit der Erstellung eines Leitfadens für ein Niedrigwassermanagement zum nachhaltigen Umgang mit den knappen Wasservorkommen bei großer Hitze und Trockenheit wird aktuell echte Pionierarbeit geleistet. Eine hohe Auszeichnung konnte zudem das von der Regierung von Unterfranken initiierte regionale Projekt eines „Wasserschutzbrotes“ beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis erfahren.

Sozialen Zusammenhalt leben
Unterfranken ist stark, weil hier das soziale Gefüge stark ausgeprägt ist. Dies hat sich in der Vergangenheit beispielhaft bei der Bewältigung der unmittelbaren Flüchtlingswelle gezeigt. Ich ermuntere die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, auch in Zukunft nicht nachzulassen, denn die Integration der vielen Flüchtlinge mit Bleibeperspektive ist nach wie vor eine Kraftanstrengung, die der Staat mit den Ehrenamtlichen nur gemeinsam bewältigen kann. Bei der diesjährigen Preisverleihung zum Unterfränkischen Integrationspreis konnte ich mich von dem hohen ehrenamtlichen Engagement in diesem Bereich erneut überzeugen. Aber auch die vielen Aktiven in den Vereinen, in den caritativen und diakonischen Einrichtungen, in unseren Freiwilligen Feuerwehren und Hilfsorganisationen tragen maßgeblich zum Wohle unserer Heimat bei.

Heimat, Kultur und Wein
Heimat bedeutet für mich auch, die regionalen kulturellen Angebote kennen und lieben zu lernen. Unterfranken verfügt dabei über zahlreiche kulturelle Schätze, von dem Weltkulturerbe der Würzburger Residenz bis hin zu den vielen Kirchen, Kapellen und Wallfahrtsorten, die zur Besinnung und zum Nachdenken einladen.

Ein besonderes kulinarisches Aushängeschild für Mainfranken ist neben der regionalen Küche im Besonderen der Frankenwein. Der neu gestaltete Bocksbeutel steht dabei für mich für Traditionsbewusstsein und Moderne zugleich.

200  Jahre  Regierung von Unterfranken 2014-2017
Lassen Sie mich zum Schluss noch an ein besonderes Jubiläumsereignis erinnern. Im April 2017 konnte die Regierung von Unterfranken ihr 200-jähriges Bestehen feiern, ursprünglich noch als „Königlich baierische Kreisregierung des Untermainkreis“ errichtet. Seit nunmehr über 200 Jahren stellt sich die Regierung von Unterfranken als zentrale Koordinierungs- und Bündelungsbehörde mit einer breiten Aufgabenvielfalt Jahr für Jahr den regionalen Herausforderungen. Dabei bin ich mir sicher, dass wir auch in  Zukunft als regionale Mittelbehörde unseren staatlichen Beitrag zum Wohle Unterfrankens leisten werden.

Dass sich die Menschen in Unterfranken wohlfühlen, bestätigte jüngst wieder der „Glücksatlas 2017“ der Deutschen Post. Danach zählen die Franken zu den glücklichsten Deutschen. Und so danke ich am Ende des Jahres 2017 allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern besonders herzlich, die sich in vielfältiger Weise an der Weiterentwicklung unseres Regierungsbezirks zum Wohle der hier lebenden Menschen beteiligen. Ihr Engagement in der Wirtschaft, im Sozialbereich, namentlich in den Sozial- und Behinderteneinrichtungen, in der Landwirtschaft und im Weinbau, im Naturschutz, im Schul- und Hochschulbereich, in der staatlichen und kommunalen Verwaltung, in den Hilfsorganisationen und in den Verbänden trägt dazu bei, Unterfranken lebens- und liebenswert zu erhalten. Den vielen ehrenamtlich Tätigen gilt dabei auch in diesem Jahr mein ganz besonderer Dank!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr 2018.


Dr. Paul Beinhofer
Regierungspräsident
von Unterfranken

 

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