Anfänger-Schwimmkurs für Migranten

Ein Projekt der Freiwilligenagentur GemeinSinn

 

In Dittelbrunn schlagen die Wellen hoch. Menschen die im November erstmals im Wasser waren, können nun Schwimmen. Dank Ehrenamtlichen, die Projekttitel in die Tat umsetzen. „Miteinander leben – Ehrenamt verbindet. Integration durch bürgerschaftliches Engagement“, so der Slogan vom Projekt der Freiwilligenagentur GemeinSinn. Zwei Jahre lang wurde es vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration finanziell gefördert. Ein ehrenamtliches Team hat das Thema bei acht Anfängerschwimmkursen für Kinder, Jugendliche und Frauen Wirklichkeit werden lassen. Eine Veranstaltung der Freiwilligenagentur GemeinSinn in Kooperation mit der Wasserwacht Kreisverband Schweinfurt und dem Sozialdienst Katholischer Frauen Schweinfurt e.V.. Im Interview vier Ehrenamtliche: Klaus Reuter, Gudrun Vay, Ahmad Zidan, Nehmat Husseini. Wir haben Sie gefragt, warum Sie sich für andere einsetzen.

 

Klaus, als ehrenamtlicher Schwimmtrainer hast Du bei verschiedenen Schwimmkursen bereits über 120 Migranten unterrichtet. Wie kommst Du dazu?

Ich selbst bin seit vielen Jahren bei der Wasserwacht und der Turngemeinde Schweinfurt 1848 e.V. aktiv. Als ich die Nachrichten über die vielen ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer las, wollte ich selbst etwas tun.

 

Hast Du dadurch auch selbst etwas gelernt?

Trotz langjähriger Trainertätigkeit habe ich erst durch die Arbeit mit den Flüchtlingen die Bedeutung mancher Fachbegriffe beim Schwimmen verstanden, z.B. „den Wasserwiderstand mit der Hand suchen“ oder „Hand im Wasser verankern“.

 

Gibt es Unterschiede, ob man Kinder oder Jugendliche trainiert?

Jugendliche sind sehr angespannt im Wasser. Immer volle Kraft und maximale Muskelanspannung. Trotzdem habe ich mit Jugendlichen bereits nach mehreren Monaten tolle Erfolgserlebnisse, weil man nach kurzer Zeit schon große Fortschritte sehen kann.

 

Wenn man die Kraulatmung üben möchte, gibt es zwei lustige Figuren, die man übt. Erst den Superman und dann den Haifisch.

 

 

Nehmat, Du warst vor 1,5 Jahren das allererste Mal im Wasser und bist nun selbst schon ehrenamtlicher Rettungsschwimmer bei der Wasserwacht. Eine tolle Karriere!

Durch Klaus lernte ich bei einem Anfänger-Schwimmkurs das Schwimmen.  Am Schwimmen gefällt mir einfach alles und den Kontakt im Verein und zu Deutschen finde ich super. Einige loben meine sehr saubere Technik beim Brustschwimmen.

 

Wie ist der Weg, bis man freiwilliger Rettungsschwimmer sein kann?

Bei mir fing es an mit dem Schwimmkurs und Seepferdchen, dann folgten viele Prüfungen und Abzeichen: Freischwimmer; Jugendschwimmer Bronze, Silber, Gold; Rettungsschwimmer Silber und Sanitätskurs. Nun kann ich wählen, ob ich als Wasserretter, Bootsführer, Taucher oder Trainer weitermachen will.

 

Wow – Respekt! Und das, obwohl in Afghanistan, wo Du herkommst, Schwimmen nicht üblich ist.

In meinem Heimatort in Bamian können schätzungsweise 9 von 10 Leuten nicht schwimmen. An der Schule gibt es keinen Schwimmunterricht. Ich habe in einem Wasserspeicher 1x einen Schwimmer gesehen, das hat mir gleich gefallen. Bei uns steht das Reiten auf Pferd und Esel und im Winter (wir haben viel Schnee) das Lenkschlittenfahren im Vordergrund.

 

Zidan, Du kommst aus der Hafenstadt Latakia in Syrien und aus einer Schwimmer-Dynastie.

Ja, meine ganze Familie sind Schwimm-Trainer. Mein Onkel Jalal hat bei Olympia den ersten Platz belegt, beim Langstreckenschwimmen. Das Wasser ist auch mein Element. Als kleiner Junge habe ich schon mit der Harpune Fische gejagt.

 

Du studierst Technomathematik in Schweinfurt. Ist es für Dich ein Ausgleich, Dich als ehrenamtlicher Schwimmtrainer zu engagieren?

Es macht mir total viel Spaß, meine Freizeit im Wasser zu verbringen und ich möchte anderen helfen. Ich weiß, wie wichtig es ist, gut schwimmen zu können.

 

Wie üblich ist es in Latakia, dass Frauen schwimmen gehen?

Es gibt öffentliche Schwimmbäder, in die auch Frauen in Bademode gehen. Das ist ganz offen. Latakia war eine französische Garnisionsstadt, es mag auch daran liegen.

 

Gudrun, Du bist ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe sehr aktiv.

Die ehrenamtliche Tätigkeit stellt mich persönlich sehr zufrieden. Die Dankbarkeit der Flüchtlinge erlebe ich intensiv.

 

 

Zudem warst Du ein paar Monate als Projektkoordinatorin bei der Freiwilligenagentur GemeinSinn tätig. Was war das Ziel?

Migranten in Sportvereine zu integrieren. Wir haben dazu Sportveranstaltungen (z.B. die Schwimmkurse) durchgeführt, um Kontakt zu knüpfen und Interesse zu wecken. Dann haben wir angeboten, Sportler zum Probetraining zu begleiten und Vereine interkulturell geschult.

 

Wie wurde das angenommen?

Das Projekt lief insgesammt zwei Jahre. Wir hatten über 110 konkrete Anfragen für Probetrainings in Sportvereinen, zahlreiche Vermittlungen, verschiedene Sportveranstaltungen und Projektvorstellungen in Vereinen, bei Helfer- und Arbeitskreisen. In den Anfänger-Schwimmkursen haben wir insgesamt ca. 100 Personen unterrichtet. Für die Teilnehmer gab es viele Seepferdchen, aber auch das Abzeichen „Jugendschwimmer Silber“ wurde erreicht. Zudem sind einige dabei geblieben und im Anschluss in Schwimmvereine gegangen. Nehmat z.B. ist jetzt selbst Rettungsschwimmer. Ziel erreicht J

 

Vielen Dank für das Interview und Euer beispielhaftes Engagement.

Das Interview führte Katrin Schauer, Leiterin Freiwilligenagentur GemeinSinn

 

 

Foto 1: Ein Highlight bei den Anfänger-Schwimmkursen war das Schwimmen durch einen Bogen aus Schwimmnudeln. Die Ehrenamtlichen sind: Ahmad Zidan (vorne links), Klaus Reuter (2. Links), Nehmat Husseini (vorne rechts), Gudrun Vay (3. Rechts).

Foto 2: Kinder, Jugendliche und Frauen lernten bei acht Anfänger-Schwimmkursen im Hallenbad in Dittelbrunn das Schwimmen.

Foto 3: Am Ende vom Anfänger-Schwimmkurs wurden Seepferdchen vergeben und Schwimmabzeichen gemacht. Die Besten absolvierten den Judendschwimmer Silber.

Foto 4: Eine mega Nachfrage nach dem Frauen Schwimmkurs. Er wurde in Kooperation mit dem Sozialdienst Katholischer Frauen Schweinfurt e.V. angeboten.

 

 

Text und Fotos: Katrin Schauer 

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