Förderung der archäologischen Grabungen an BBZ Baustelle Münnerstadt

Foto: Oliver Specht
Foto: Oliver Specht

Freiwillige Zuwendung vonseiten der Stiftung des Bezirk Unterfranken

 

Die Unterfränkische Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Förderung der Denkmalpflege unterstützt die archäologischen Grabungen im Rahmen des Neubaus des Berufsbildungszentrums Münnerstadt. Die Zuwendungssumme beträgt 5.000 Euro. „Ich freue mich sehr, dass die Grabungsarbeiten vonseiten der Unterfränkischen Kulturstiftung bezuschusst werden. Die Förderung zeigt, dass unser Fokus bei Bauvorhaben nicht einzig auf die Zukunft gerichtet ist. Auch die Vergangenheit unserer Liegenschaften und das, was darunter verborgen ist, spielt eine wichtige Rolle – und zwar nicht nur für Fachleute, sondern für die gesamte Gesellschaft. Die archäologischen Grabungen liefern wichtige Erkenntnisse, die auch künftig von Bedeutung sein werden. Herzlichen Dank!“, so Landrat Thomas Bold.

Zum Bauprojekt

Für Neubau des BBZ in Münnerstadt fand erst kürzlich der Spatenstich statt. Für rund 27,7 Millionen Euro bauen der Landkreis Bad Kissingen und die Caritas Schulen gGmbH das BBZ neu. Entstehen wird ein Hauptgebäude mit ca. 6100 m² Hauptnutzfläche auf dem Freigelände des Seminargebäudes in Münnerstadt. In dem fertigen Gebäude werden etwa 600 Schüler bzw. 20 Klassen Platz haben. Seit Oktober 2016 laufen die Bauarbeiten auf dem Grundstück. Bislang wurde die Baustelle eingezäunt und mit Strom-, Wasserund Abwasseranschluss versorgt. Eine Entwässerungsleitung eines Nachbarn wurde umverlegt. Die Fläche für die Baustelleneinrichtung wurde hergestellt. Die Baugrube ist derzeit zu ca. 30% ausgehoben. Zudem wurden erste Bodenverbesserungsarbeiten durchgeführt. Ergebnisse der archäologischen Grabungen

Die bauvorbereitenden Ausgrabungsarbeiten wurden abgeschlossen; die baubegleitenden Arbeiten dauern an. Zwischenzeitlich hatten die Grabungsarbeiten aufgrund einer übergroßen Anzahl von Funden nicht vorhersehbare Dimensionen angenommen und dauerten dementsprechend länger. Die Arbeit hat sich aber gelohnt. Der ausführende Archäologe Oliver Specht machte äußerst interessante Entdeckungen. Eine imposante Befestigungsanlage – wie sie in Teilen des mittleren 13. Jh. gebaut wurde - scheint heute das historische Münnerstadt einzufassen. Über den Flurnamen „Alte Stadt“, die Straßenbezeichnung „Altstadtweg“ und Funde beim Bau des Seminargebäudes im frühen 20. Jh. ist jedoch ein weiteres Siedlungszentrum – eine sog. „Wüstung“ - etwa 200m nordwestlich des stadtbildprägenden „Dicken Turmes“ bekannt. Bedingt durch das Bauvorhaben „Berufsbildungszentrum“ rückte dieses frühe Siedlungszentrum in das Sichtfeld von Planern und Archäologen. Unter einem stellenweise sehr dünn ausgeprägten „Teppich“ humosen Oberbodens kam beim wissenschaftlich begleiteten Abtrag eine ganze Fülle archäologischer Befunde zu Tage. Diese bilden nicht nur die früh- bis hochmittelalterlichen Besiedlungsphasen vor der Fortifikation der Stadt ab, sondern sind geradezu ein Kaleidoskop archäologischer Befunde, Funde und Zeitstellungen. Auf einer Niederterrasse oberhalb des sumpfigen Mäanderbereiches der Lauer finden sich viele Besiedlungsspuren der Bandkeramik, der Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, der Hallstattzeit, der Latènezeit, der Völkerwanderungszeit bis hin zum Hochmittelalter. Diesen Zeitraum von ca. 5.300 v. Chr. -1250 n. Chr. - also etwa 6550 Jahre Kultur-, Vor- und Frühgeschichte – können wir vor Ort nun über zeitgenössische Siedlungsgruben, Grubenkomplexe, ebenerdige Pfostenbauten und eingetiefte Grubenhäuser veranschaulichen. Das „Salz in der Suppe“ stellen zahlreiche Funde dar. Sie machen die skizzierte Entwicklung „begreifbar“ und verdeutlichen mit den „begehbaren“ Negativen der zahlreichen Grubenhäuser die überregionale Bedeutung der Fundstelle.

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