Ortsbegehung des Stadtrats: Wo könnte ein neues Fußballstadion stehen?

Gut gefüllte Busse, die zu Fußballstadien fahren, das gibt es an jedem
Wochenende, nun stand vor dem Umwelt- und Planungsausschuss des
Würzburger Stadtrates aber eine Busfahrt der besonderen Art an: eine
Tour zu allen potentiellen Standorten, die für einen Stadion-Neubau in
Würzburg, eventuell in Verbindung mit einem neuen Gewerbegebiet noch
im Rennen sind. Dies sind Versbach, Lengfeld Nord-Ost, der Neue Hafen
und ein großes Areal nahe der Y-Spange. Auch wenn zu diesem Quartett
bereits Analysen und Datenblätter des Büros AS+P vorliegen, der Stadtrat
wollte sich die Topographie vor der komplexen Entscheidungsfindung noch
einmal in Natura ansehen.

Viele Aspekte müssen insgesamt abgewogen werden, die Prioritäten können
sich vor Ort sicher noch einmal verschieben. Wenn beispielsweise auch
die Außenwirkung und die Blickachsen auf ein neuen Stadion
mitberücksichtigt  werden sollen. Doch Argumente gibt es viele
stichhaltige: Der Feldhamster kann nur am Standort Neuen Hafen
ausgeschlossen werden, unterschiedlich nah sind zudem die benachbarten
Wohnbebauungen (bisweilen auch mit bestehenden Er-weiterungsplänen von
Würzburger Seite oder von Umlandgemeinden). Für die Erschließung
kommt es wiederum auf die Nähe zu Bundesstraßen oder zur Autobahn an.
Ein ÖPNV-Anschluss wäre noch besser – hier müssen aber fast alle
Standorte gegenüber dem Status quo große Abstriche machen. Je nach zur
Verfügung stehender Fläche, ergeben sich neue Zwänge. Acht Hektar werden
mindestens benötigt, 12 wären bei einer geplanten Kapazität von 20.000
Zuschauern schon wesentlich komfortabler, um parkenden Autos und die
gesamte Logistik und Erschließung unterzubringen. 

14 Stadträte suchten noch einmal den Austausch mit den städtischen
Planern, dem beauftragten Büro, dem Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz,
WSB und Fachabteilung Tiefbau. Kämmerer Robert Scheller leitete in
Vertretung von Baureferent Prof. Christian Baumgart die informative
Fahrt im Gelenkbus. In der anschließenden Sitzung im Rathaus wurde
deutlich: Noch ist kein Standort aus dem Rennen, einen erheblichen
zeitlichen Vorlauf bis zum Baurecht mit weiteren Prüfaufträgen benötigen
alle vier Orte. Noch bis zur Sommerpause möchte die Stadtverwaltung alle
Informationen gesammelt haben, damit die Stadionfrage im Grundsatz
entscheidungsreif ist. Der Ausschuss gab hierfür zwei Aufträge mit auf
den Weg: Die finale Vergleichsdaten-Matrix soll das bestehende Stadion
am Dallenberg den neuen Standorten mit allen Vor- und Nachteilen
gegenüberstellen. Des Weiteren wünscht man sich noch mehr Klarheit
bezüglich der Eigentumsverhältnisse und der sich daraus ableitbaren
Kostenrahmen.  

Bild 
Neuer Hafen, neues Stadion? Der Ausschuss sah vor Ort auch zahlreiche
Probleme bei diesem Standort. Von massiven Rückbaumaßnahmen bis zum
Störfallpotential umliegender Firmen. Noch hat sich aber kein
Standort endgültig aus dem Rennen verabschiedet. Bild: Georg
Wagenbrenner

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