Uniklinikum Würzburg: 100.000 Euro für MS-Therapie-Forschung mit Elektrostimulation

Dr. Carine Nguemeni, Postdoktorandin an der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg, erhielt von der Hertie-Stiftung eine Forschungsförderung in Höhe von 100.000 Euro. Die Wissenschaftlerin untersucht die Möglichkeiten, mit einer schmerzfreien, nicht-invasiven Elektrostimulation des Gehirns den Gang von MS-Patienten zu stabilisieren und deren Sturzrisiko zu vermindern.

 

Rund 2,5 Millionen Menschen sind weltweit an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Wenn die natürliche Kompensationsmöglichkeit des Gehirns durch den Krankheitsprozess überschritten wird, leiden viele Betroffene an einer zunehmenden motorischen Behinderung. Der Gang wird unsicher, die Gefahr von Stürzen steigt. Hier setzt das Forschungsprojekt von Dr. Carine Nguemeni an. Die aus Kamerun stammende Wissenschaftlerin arbeitet seit dem Jahr 2016 als Postdoktorandin an der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). In der neurophysiologischen Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. Daniel Zeller will sie herausfinden, ob sich durch transkranielle Gleichstromstimulation (englisch: transcranial Direct Current Stimulation, tDCS) Verbesserungen der motorischen Defizite von MS-Patienten erzielen lassen.

 

tDCS bei Multipler Sklerose: Ein Therapieansatz mit Potenzial

Die tDCS ist ein nicht-invasives, schmerzfreies und komplett reversibles Verfahren zur Elektrostimulation des Gehirns. Dabei wird über auf der Kopfhaut angebrachte Elektroden Gleichstrom auf das Kleinhirn appliziert, wodurch die neuronale Aktivität verändert werden kann. „Die Vorarbeiten aus der Arbeitsgruppe von Dr. Zeller zeigen das grundsätzliche Potenzial dieser Methode in der MS-Therapie“, berichtet Prof. Dr. Jens Volkmann, der Direktor der Neurologischen Klinik des UKW.

 

In hochkompetitivem Auswahlverfahren durchgesetzt

Die ermutigenden Aussichten des Forschungsansatzes von Dr. Nguemeni überzeugten auch die Hertie-Stiftung und ein sie beratendes wissenschaftliches MS-Konsortium der Pharma-Industrie: Sie entschieden im April dieses Jahres, dass die Forscherin eine Förderung in Höhe von 100.000 Euro erhalten soll. Dem Zuschlag ging ein hochkompetitives Bewerbungsverfahren voraus, bei dem aus 20 eingereichten Anträgen neben den Arbeiten von Dr. Nguemeni nur noch ein weiteres Projekt ausgewählt wurde.

 

International attraktives Forschungsumfeld in Würzburg aufgebaut

Die Förderung wird dazu beitragen, dass Dr. Nguemeni ihre Forschung am UKW fortsetzen kann. „In diesem Zusammenhang freut es mich besonders, dass es uns gelungen ist, in den letzten Jahren ein Forschungsumfeld an unserer Klinik aufzubauen, das begabte internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Dr. Nguemeni, anzieht“, zeigt sich Prof. Volkmann stolz. Nach seinen Angaben arbeiten aktuell 25 Forscher/innen aus diversen europäischen und außereuropäischen Ländern an der Neurologischen Klinik des UKW und tragen zur international sichtbaren Spitzenforschung in Würzburg bei.

Bisherige Karriere-Etappen von Dr. Nguemeni (Jahrgang 1985) waren die Universität von Yaoundé/Kamerun, die Universität von Reims Champagne-Ardenne/Frankreich, das Institut für Molekulare und Zelluläre Pharmakologie in Valbonne/Frankreich und die Universität von Ottawa/Kanada.

 

Über die Hertie-Stiftung

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung wurde im Jahr 1974 von den Erben des Kaufhausinhabers Georg Karg ins Leben gerufen und ist nach eigenen Angaben heute eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebunden Stiftungen Deutschlands. In ihrer Arbeit konzentriert sich die Stiftung auf zwei Leitthemen: Gehirn erforschen und Demokratie stärken.

 

Bildunterschrift:

 

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Dr. Carine Nguemeni beim Anlegen der Vorrichtung zur transkraniellen Gleichstromstimulation.

 

Bild: Neurologie Fotoabteilung/Uniklinikum Würzburg

 

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