Kunstinstallation vor den Toren der LGS: Wachhäuschen drückt beide Augen zu

Wer seinen Landesgartenschau-Besuch am Haupteingang unweit des
ehemaligen Gerbrunner Tors beginnt, der kommt ganz automatisch an einem
recht unscheinbaren, aber - was die jüngste Stadtgeschichte angeht -
besonderen Ort vorbei. Auch die Straßenführung könnte stutzig machen.
Warum wird man nicht einfach pfeilgerade zu den Parkplätzen geführt?
Warum schlängelt sich hier der Weg? Es muss etwas mit dem kleinen
Häuschen zu tun haben, das hier scheinbar auf verlorenem Posten
steht. Mit dem alten Wachhäuschen haben die Stadtplaner, die
LGS-Gesellschaft und der Fachbereich Immobilienmanagement bewusst eine
weitere Reminiszenz an die Leighton Barracks erhalten. Hier war eine der
Zufahrten zur US-Kaserne mit entsprechender Kontrollstation. Gerade in
den letzten Jahren vor dem endgültigen Abzug der Amerikaner im Jahr 2008
investierte auch dieser Armeestützpunkt noch einmal massiv in
Sicherheit. So wurden beispielsweise 2003 und 2004 Mauerbauwerke am
Hubland über weite Strecken verlängert, neue Beleuchtungsmasten und
Videokameras installiert und Orte wie die Chapel oder die Lincoln
Housing Area durch neue Zäune und Podeste gesichert.

Die in Würzburg geborene und in Berlin lebende Künstlerin Petra Kübert
arbeitet mit den Mitteln der künstlerischen Recherche zu verlassenen
Orten, die nach einer längeren Zeit der Brache eine Umwidmung erfahren.
Diese Orte können z.B Areale wie das des ehem. Arbeitshauses (1933-45)
und Gefängnisses (1945-1989) Rummelsburg in Berlin sein. Auf dem Gelände
des geschichtsträchtigen Ortes entstand unter Einbezug der historischen
Bestandsgebäude nach 15-jähriger Brache ein neues, sehr exklusives und
durch Sicherheitsdienste überwachtes Wohngebiet.

In ihrer aktuellen Arbeit hat sich Petra Kübert mit einer
künstlerischen Intervention der früheren „Einlasskontrolle“, dem
ehemaligen Wachhäuschen auf dem Areal der ehemaligen amerikanischen
Kaserne am Hubland, gewidmet. Durch eine kleine Ergänzung wird die
Immobilie zum Hingucker, oder eben gerade nicht. Das Wachhäuschen mit
der Hausnummer 1371 hat zwei Fenster, die Richtung Gerbrunn blicken. Mit
etwas Fantasie kann man in dieser Fassade ein Gesicht erkennen. Kübert
unterstrich diese Assoziation, indem sie die Frontfensterscheiben mit
präparierten Folien verschloss, nach außen sichtbar sind zwei
stilisierte verschlossene Augen. Das frühere Wachhäuschen drückt jetzt
sozusagen beide Augen zu und lässt die Besucher der LGS und die Bewohner
des neuen Würzburger Stadtteils passieren. Auf der Rückseite des
Gebäudes (also in Blickrichtung Ausstellungsgelände) ist wiederum ein
wachsames Auge zu erkennen. Die beiden Fenster Richtung LGS-Gelände
bleiben transparent, durch diese hindurch kann man einen Blick in das
verlassene Wachhaus werfen, so wie es die Künstlerin vorgefunden hat.

Diese besondere Umgebung können Besucher im Sinne der Künstlerin am
besten bei einem Audiospaziergang auf sich wirken lassen. Das Audiostück
„Gesichertes Wissen über uns zu einer bestimmten Zeit an einem
bestimmten Ort“ ist ein Dialog zwischen Künstlerin und einer künstlichen
Intelligenz, deren präzise Antworten mitunter wenig hilfreich
erscheinen. So kreisen in dem Hörspiel drei Stimmen konkret um das
Häuschen auf der Straßeninsel und abstrakt um die Themen Überwachung,
Datenspeicherung, Grenzkontrolle, Kreativität und Anpassung.

Wer sich selbst auf einen solchen audiovisuellen
Assoziations-Spaziergang begeben möchte, kann die acht Minuten lange
MP3-Datei auf der Website der Künstlerin für das Smartphone oder ein
entsprechendes Abspielgerät herunterladen und mit Kopfhörer ausgestattet
dem Torwächter der LGS einen Besuch abstatten:

http://www.petrakuebert.de/
oder unter:
https://soundcloud.com/user-822521311/1371-audiospaziergang_kuebert_2018

Der Bereich ist über die Kitzinger Straße mit dem PKW erreichbar. Die
Benutzung des LGS-Parkplatzes kostet 5 € am Tag. Ab der Kreuzung am
Gerbrunner Kirschberg gibt es einen neuen Fuß-und Radweg. Oder man nimmt
die Buslinie 29 bis „LGS Ost“. 

Eine weitere künstlerische Arbeit von Petra Kübert - in Kooperation mit
Katja Brückner - wird im Kontext des Festivals „ Alternative Fakten“ vom
13.06.- 01.07.2018 im Alten Gymnasium bzw. im Stadtschreiberhaus
Schweinfurt gezeigt. Die Vernissage ist am Mittwoch, 13.Juni 2018, um
19:30 Uhr im Museum Altes Gymnasium (Eintritt frei).


Bild „Wachhäuschen1“    
Augen zu am Hubland. Bild: Georg Wagenbrenner