Abschlussveranstaltung Mobile Versorgung im ländl. Raum

Foto: Isabel Dörr v.l. Dr. Jörg Geier, Prof. Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt, Jürgen Metz, Landrat Thomas Habermann, Dr. Bernd Rittmeier, Landrat Thomas Bold, Christoph Müller

 

 

Öffentliche Abschlussveranstaltung zum Modellvorhaben „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ in der Modellregion Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld Modellregion stellt Projektergebnisse der Öffentlichkeit vor

 

Am 12.06.2018 um 19 Uhr fand die öffentliche Abschlussveranstaltung zum Modellvorhaben „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ im Kloster Wechterswinkel statt.

 

Zum Abschluss des Modellvorhabens, das offiziell am 31.08.2018 endet, luden die beiden Landräte Thomas Bold und Thomas Habermann die Öffentlichkeit zur Vorstellung der Projektergebnisse ein. Neben den Bürgern waren insbesondere die Bürgermeister, die Kreisräte und sonstige wichtige Vertreter aus den Bereichen Mobilität und Versorgung aus den beiden Landkreisen eingeladen. Zudem wurde auch der Gesundheitsbereich einbezogen, da das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen mit seinem Fokusprojekt „MONA“ einen erheblichen Anteil am Projekt hat.

 

Landrat Habermann begrüßte als Hausherr zunächst die Teilnehmer und machte auf die Wichtigkeit der Themen Mobilität und Versorgung für die beiden ländlich geprägten Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld aufmerksam. Diese beiden Themenbereiche werden in Zukunft einen immer größeren Stellenwert einnehmen um wirklich gleichwertige Lebensverhältnisse auf dem Land herzustellen. Als Vertreter des Bundesverkehrsministeriums begrüßte Dr. Rittmeier anschließend die Teilnehmer. Dr. Rittmeier ging in seinem Redebeitrag insbesondere auf die mit dem Modellvorhaben gesetzten Ziele ein und teilte zudem mit, dass auch nach Ende des Modellvorhabens, das Thema weiterhin sehr wichtig für die Bundespolitik in Berlin ist. Dies zeigt insbesondere, dass das Ministerium um den Bereich Heimat erweitert wurde und auch in der aktuellen Legislaturperiode weitere Vorhaben in diesem Bereich geplant sind. Des Weiteren, weist Dr. Rittmeier darauf hin, dass in der vorliegenden Region zwar zum aktuellen Zeitpunkt noch relativ gute Verhältnisse herrschen, doch man sollte nicht vergessen, dass man sich in guten Zeiten mit diesen brisanten Themen in Ruhe beschäftigen müsse. Denn wenn die Not erst einmal groß ist, lassen sich solche Themen sehr schwer lösen. Zum Abschluss bedankte sich Dr. Rittmeier bei den Projektverantwortlichen und wünscht den beiden Kreisen weiterhin viel Erfolg in den für die Zukunft sehr wichtigen Themen Mobilität und Versorgung.

 

Dr. Geier, Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung des Landkreises Rhön-Grabfeld, stellte im Anschluss noch einmal die Grundzüge des Modellvorhabens und die Organisationsstruktur des Bundesprojektes in der Region vor. Weiterhin erläuterte er die Umsetzungsschritte und wie das Modellvorhaben umgesetzt wurde.

 

Den Projektverantwortlichen vor Ort, war bereits bei Beantragung des Modellvorhabens die medizinische Versorgung ein besonderes Anliegen. Aus diesem Grund entschieden sich die beiden Landkreise, das in Bad Kissingen ansässige Zentrum für Telemedizin von Anfang an in das Projekt zu integrieren und in einem Fokusprojekt „MONA“ (Mobile netzwerkmedizinische Assistenz) die Möglichkeiten der ärztlichen Versorgung durch die Unterstützung von telemedizinischen Ansätzen zu prüfen, wobei der Fokus auf der Delegation ärztlicher Tätigkeiten an nicht ärztliches Personal lag. Die Ergebnisse rund um MONA, wurden daher auch im Rahmen der öffentlichen Abschlussveranstaltung vorgestellt. Christoph Müller und Anja Partheymüller stellten den Zuhörern die Herangehensweise und die gewonnenen Erkenntnisse vor. Wichtig sei die gezielte Auswahl von Technologien passend zum jeweiligen Anwendungsfall. Nur so könne Telemedizin einen Mehrwert in der ambulanten Versorgung bieten, ohne dabei Nutzer und Alltagsabläufe mit Technik zu überfrachten. Mittels Telemedizin kann schnell und ortsunabhängig die Verfügbarkeit von medizinischer Expertise durch Datenübertragung und Videozuschaltung zum Untersuchungsort, zum Beispiel bei Hausbesuchen, eine sinnvolle Unterstützung und entscheidender Beitrag zur Aufrechterhaltung einer flächendeckenden, dezentralen Gesundheitsversorgung sein. Die Ergebnisse zeigen, dass das Interesse und die Bereitschaft zum Einsatz von Telemedizin bei Ärzten, Patienten und medizinischem Personal groß ist. Um den Zuhörern die technischen Möglichkeiten zu verdeutlichen, demonstrierte Müller den Einsatz von einigen telemedizinischen Geräten vor Ort und stand im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Grundsätzlich wurde von Müller, dem Projektverantwortlichen beim Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen, darauf hingewiesen, dass es in diesem Bereich noch einige offene Fragen gibt und das Thema auch nach Abschluss des Modellvorhabens weiter vorangetrieben wird. Zudem wies er darauf hin, dass dieses Thema auch in der Öffentlichkeit immer größere Bedeutung erlangt, wie der im Rahmen des Projektes durchgeführte Dreh einer TV-Reportage zeigt, die in Kürze im Bayrischen Rundfunk und auf arte ausgestrahlt wird. 

 

Für den Bereich der Untersuchung der klassischen Mobilität und Versorgung arbeiteten die beiden Landkreise über die Projektlaufzeit mit einem weiteren Projektpartner zusammen, dem Institut für angewandte Logistik der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. 

 

Aus diesem Grund, stellte Institutsleiter Prof. Dr. Müller-Steinfahrt im Anschluss die Ergebnisse aus den wissenschaftlichen Untersuchungen im Rahmen des Projektes vor. Nachdem Prof. Dr. Müller-Steinfahrt zunächst die Herangehensweise, mit insbesondere Abfrage bei den Gemeinden, Befragung der Bevölkerung, Bürgerworkshops vor Ort, Einbeziehung einer Bevölkerungsprognose, Erreichbarkeitsanalysen usw. erläuterte, ging er auf die im Projekt erarbeiteten Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Situation im ländlichen Raum ein. So wurde im Bereich der Versorgung ein Schwerpunkt auf die Möglichkeit der Versorgung durch sog. Dorftreffs (Multifunktionsläden) gesetzt und ein Leitkonzept dafür entwickelt. Zudem wurden aber auch mögliche Standorte für solche Dorftreffs analysiert und vorgeschlagen. Diese Möglichkeit der Versorgung wurde insbesondere als Lösung für unterversorgte, dezentrale Gebiete in den beiden Landkreisen herausgestellt. So schlug Prof. Dr. Müller-Steinfahrt auf Grundlage der ermittelten Daten vor, dass es überlegenswert wäre, z.B. einen Dorftreff im Kooperationsraum Rhön-Grabfeld (Raum zwischen Bad Königshofen und Mellrichstadt der kein eigenes Versorgungszentrum besitzt und sich dezentral versorgt) in Hollstadt und Wargolshausen im Rahmen eines gemeinsamen Dorfladenvereines zu errichten.

 

Im Themenfeld Mobilität wurde insbesondere die Versorgung der Kooperationsräume durch den ÖPNV überprüft. So wurde insbesondere festgestellt, dass die bestehenden ÖPNVLinien oft eine unzureichende Taktung aufweisen und die Verbindung oft nur in eine Richtung existiert. Als Lösung für diese Probleme wurde z.B. der Einsatz von flexiblen, bedarfsgesteuerten Mobilitätsangeboten aufgezeigt. 

 

Inwieweit diese Ergebnisse umgesetzt werden können, wird von beiden Landkreisen in Zukunft geprüft werden. Insbesondere sollen aber die gewonnen Erkenntnisse in den aktuell laufenden Prozess der gemeinsamen Fortschreibung der Nahverkehrspläne berücksichtigt werden. Zudem ist in Rhön-Grabfeld im Jahr 2019 bereit eine Anpassung des ÖPNV-Netzes insbesondere im Kooperationsraum geplant. Zum Abschluss gab Prof. Dr. Müller-Steinfahrt einen Ausblick über die Verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten der gewonnen Erkenntnisse. 

 

Zum Abschluss der Veranstaltung bestand die Möglichkeit über die vorgestellten Ergebnisse zu diskutieren. Die beiden Landräte, dankten den Gästen für Ihre Teilnahme und versicherten, sich weiter für die Mobilität und Versorgung in Ihren beiden Landkreisen einzusetzen und sich weiter stark zu machen für das Thema. 

 

Hintergrund:

 

Obwohl der ländliche Raum viele Vorteile wie etwa günstige Lebenshaltungskosten, ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum, Arbeitsplätze und ein breites Freizeitangebot in der freien Natur bietet, verliert er an Bevölkerung. Besonders jüngere Menschen zieht es in Ballungsräume. 

 

Vor dem Hintergrund der „Landflucht“ hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ein Modellvorhaben initiiert, um den mannigfaltigen Herausforderungen proaktiv zu begegnen. 

 

Unter dem Titel „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ haben sich bundesweit 18 Modellregionen auf den Weg gemacht, innovative Lösungsansätze für die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse im ländlichen Raum zu entwickeln (www.modellvorhaben-versorgung-mobilitaet.de). Ziel des Modellvorhabens ist es, auf Grundlage des aktuellen Nutzerverhaltens und der Angebote an Mobilität und Daseinsvorsorge Konzepte für die nächsten 10 bis 15 Jahre zu entwickeln, die Mobilität und Daseinsvorsorge zukunftsfähig miteinander verknüpfen. In diesem Bundesprojekt bilden auch der Landkreis Rhön-Grabfeld gemeinsam mit dem Nachbarlandkreis Bad Kissingen eine Modellregion. 

 

Nach dem offiziellen Start des Modellvorhabens im Dezember 2015 haben zunächst alle Modellregionen umfassende Datensammlungen in puncto Daseinsvorsorgeeinrichtungen sowie Mobilität durchgeführt. Auf dieser Grundlage wurden verschiedene Kooperationsräume ausgewählt. In diesen kleinteiligen Betrachtungsräumen, welche sozusagen als „Modellregion en miniature“ dienen, wurden auf Basis einer vertieften Betrachtung von Mobilität und Daseinsvorsorge zukunftsweisende Lösungsansätze erarbeitet. 

 

 Die Ergebnisse dieser vertieften Betrachtung werden auf der öffentlichen Abschlussveranstaltung präsentiert und Empfehlungen für die Zukunft werden gegeben, wie sich die beiden Landkreise in Zukunft besser den beiden Themen Mobilität und Versorgung stellen können. Im Landkreis Rhön-Grabfeld ist z.B. im ausgewählten Kooperationsraum eine Anpassung der ÖPNV-Linien ab 2019 geplant, als Ergebnis des Modellvorhabens. Aber auch im Landkreis Bad Kissingen, wird das Thema in Zukunft eine große Rolle spielen. .

 

 

(Foto: Isabel Dörr)